
"Roadtrip durch Neuseeland" oder "Die Steigerung von Liebe"Es gibt diese Minuten, Stunden, Tage, Momente, Bilder, Landschaften, Länder, in denen sich bei dir das Herz einfach öffnet, unbewacht betretbar ist. In so einem Moment ist Neuseeland in mein Herz getreten und hat sich ganz tief darin eingenistet. Wir fahren durch Neuseeland und egal wie müde ich bin, ich kann meine Augen nicht schließen. Ich will keine Sekunde von dieser Landschaft verpassen. Das Grün der Pflanzen ist grüner als wir es je gesehen haben. Laubbäume umarmen sich mit Nadelbäumen. Dazwischen winken uns Palmen zu. Der Wald ist fünfhundert Meter wie frisch gekämmt. Die nächste Minute wieder Regenwald, durchzogen von roten Blättern, die wie Flammen strahlen.
Anzeige Die Straße schlängelt sich kilometerlang durch die Berge. Plötzlich wird sie gerade und das Land herum liegt flach und weit vor uns. An der nächsten Biegung sind wir am Meer. Im Hintergrund liegen die schneeverzierten glitzernden Gipfel in der Sonne. Kurz darauf liegt ein See vor uns. Schafherden spiegeln sich im glasklaren Wasser. Oft weiden Schafe, Kühe, Rehe und Pferde gemeinsam. Ab und zu halten wir an, weil ein Schäfer und seine Herde die Straße kreuzt. Und immer halten wir an, um die Schönheit dieses Landes zu genießen. Manchmal verschlägt der Anblick uns die Sprache. Manchmal raubt er uns den Atem. Und manchmal treibt er mir einfach nur eine warme Träne in die Augen, weil es so unfassbar ist.Und ganz oft lächeln wir uns nur zu und sehen das Glück in den Augen des anderen. Als Christina sagt: "Man hat das Gefühl, Neuseeland leuchtet von innen!", wissen wir genau, was sie meint.
"Keep it Kiwi!" ist das Sinnbild, die Lebensmentalität der Menschen in Neuseeland. In einem Land mit vier Millionen Einwohnern sind Großstadtlärm und Hektik nahezu unbekannt. Die Menschen wissen ihr Glück zu schätzen und genießen ihr Leben. Ob die Dinge sofort oder erst morgen erledigt werden, macht nicht den Schwerpunkt des Lebens aus.
Wir treffen uns in Queenstown mit Gill, der Tante von Nick. Nick ist ein neuseeländischer Freund von mir. Er lebt zur Zeit in Kopenhagen. Gill ist eine niedliche, toughe Lady. Wir verabreden uns mit ihr im Café. Nach der Begrüßung entschuldigt sie sich dafür, dass sie gerade Besuch hat und uns nicht zum Dinner einladen kann. Wir beteuern, dass das überhaupt kein Problem ist und wir uns schon riesig freuen, den Tag mit ihr verbringen zu können. Die Neuseeländer sind für ihre offene, gastfreundliche Art zu Recht bekannt. Bei heißer Schokolade und Muffins erfahren wir viel über das Land. Gill liebt ihre Heimat, spricht jedoch mit Faszination von Europa. "We're so far away. In Europe everything is just so close. You can travel through so many different countries in such a short time." Als ihre Freundin Anna hinzukommt, erfahren wir, dass sie in Christchurch lebt. Wunderbar: Christchurch ist die Endstation unseres Roadtrips. Mit Begeisterung erzählt uns Anne die Dinge, die wir tun und sehen sollten, um einen kurzen Eindruck von ihrer Heimatstadt zu bekommen.
Gill möchte uns den Kiwi-Birdlife-Park zeigen. Kiwis sind die Nationalvögel von Neuseeland. Es gibt momentan nur noch 200-300 Stück. Neuseeland ist sehr bemüht, sie nicht zu verlieren. Kiwis sind braune, lustige Vögel mit einem langen, schmalen Schnabel - jedoch ohne Flügel. Wenn ihr einem Neuseeländer ein Kompliment machen möchtet, sorgt ihr mit einem "Eaa, and kiwis CAN fly!" immer für ein strahlendes Gesicht!
Als gegen fünf Uhr die Sonne rotstrahlend hinter den Bergen versinkt, müssen Anna und Gill sich leider verabschieden. Ein Abendessen für zehn Personen muss zubereitet werden. Es ist Queens-Birthday - Feiertag in Neuseeland. Aber wir haben ja die Telefonnummer von Annas Tochter in Christchurch und sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen.
Wir ziehen mit unserem Campervan weiter nach Wanaka. Ein kleines Hippiestädtchen mit 3.500 Einwohnern. Im Winter kommen nochmal genauso viel Urlauber und Saisonkräfte hinzu. Und einmal im Jahr zieht es 12.000 Besucher zum Wanaka-Musikfestival.
Eine weitere Telefonnummer von Nick im Gepäck, lernen wir Merle kennen. Merle ist gebürtige Deutsche. Ihre Eltern sind, als sie 14 Jahre alt war, nach Wellington ausgewandert. Sie hat in London ihr Studium als Modedesignerin absolviert, in Österreich, Kanada und auf der Nordinsel Neuseelands gelebt. Vor zwei Jahren ist sie nach Wanaka gezogen und hat einen kleinen Laden eröffnet, in dem sie ihre selbstgeschneiderten Sachen verkauft. Der Durchbruch kam in dem Winter, in dem ich ihre Schulfreunde Nick & Dan kennen gelernt hatte. Eine ihrer Daunenjacken wurde von einer Bekannten mit nach Kopenhagen genommen und jeder wollte genau diese Jacke!
Im Moment kommt sie kaum mit der Produktion nach.
Als wir spazieren gehen und Anne fragt, wo sie zu Hause ist, antwortet Merle: "Irgendwie bin ich schon ein Kiwi", und lacht. Sie war die letzten vier Jahre nicht mehr in Deutschland. Ihren Besuch im Oktober erwartet sie mit großer Vorfreude, aber auch einem mulmigem Gefühl im Bauch. Wenn man so lange in solch einem Märchenland lebt, kann die Enge und Schnelligkeit Deutschlands ein wenig irritieren. Beim Abendessen plaudern wir viel über ihr Leben, unsere Leben, die Unterschiede zwischen Neuseeland und Deutschland und die Sehnsucht des Menschen nach Orten, an denen er gerade nicht ist.
Für mich ist es wahnsinnig schön, jemanden zu treffen, der diese wunderbaren Menschen in Dänemark schon so lange kennt und genauso vermisst und liebt wie ich. Weit nach Mitternacht muss Merle aufbrechen. Die Daunenjackenproduktion beginnt bereits morgens um 7:00 Uhr. "Keep it Kiwi!" ist nicht zu verwechseln mit der spanischen "Siesta-Mentalität"! Wir verabreden uns für den nächsten Tag im "Native Seeds". Ich darf mir mein eigenes Kiwi-T-Shirt mit ihr zusammen schneidern!
Am nächsten Tag sind wir außerdem mit Chris und Conny von der "Skydive-Schule" verabredet. Sie sind aus Hamburg und seit einem halben Jahr in Neuseeland. Sie führen uns über die Berge und Wiesen zum Lake Wanaka. Wir fühlen uns wirklich wie im Hobbit-Land und manchmal kann man nur unsere Schritte knirschen hören, weil jeder von uns einfach nur genießt. Wir setzen uns an die Klippen und blicken auf den glasklaren See. Am anderen Ufer ragen strahlend grüne und weiß-glitzernde Berge in den blauen Himmel. Während die Sonne ihren Abschied in den gleißendsten Farben zelebriert, definieren sie uns ihre Faszination Neuseeland. Neuseeland macht etwas mit den Menschen. Es öffnet ihre Augen neu. Nimmt ihnen ihre Großstadthektik ab. Lässt sie lang und tief durchatmen. Öffnet ihre Herzen und verzaubert sie dann. Es ist ein guter Zauber! Er macht die Menschen glücklich. Sie sehen das Wesentliche klarer! Chris und Conny bleiben noch bis April und genießen jeden Tag in Wanaka aufs Neue.
Nachdem wir uns von ihnen verabschiedet haben, fahren wir zu Merles Geschäft. Trotz ihrer vielen Arbeit nimmt sie sich Zeit, noch ein ganz besonderes Neuseeland-T-Shirt für mich zu schneidern und mit mir zusammen zu nähen! Mein NZ-T-Shirt ist rot und aufgenäht haben wir die Südinsel aus gelb-grünem Palmenstoff. Ich hoffe, es wird mich für immer an dieses unbeschreibliche Gefühl hier erinnern. Die Stärke und gleichzeitige Ruhe, die dieses Land ausstrahlt. Ich gebe den Platz in meinem Herzen kampflos frei und lasse Neuseeland einziehen!
Wir umarmen Merle so fest wir können. Im Oktober werden wir uns wiedersehen und ihr das gemütliche Berlin zeigen. Sie gibt uns noch die Telefonnummer von Vera und Ann, zwei Freundinnen von ihr, die in Hokitikita wohnen und sich auf unseren Besuch freuen.
Mit kalten Füßen und warmen Herzen machen wir uns auf den Weg zur Westküste. Merle hat zum Abschied gerufen "Hebt euch ein paar Bilder für die Westcoast auf! Sie ist noch viel schöner!" Wir haben gelacht und nicht geglaubt, dass es noch schöner werden kann!
Aber sie hatte recht. Hinter jeder Kurve hält Neuseeland noch ein Geheimnis versteckt!
"Just take a car and drive up the westcoast!", war der beste Tipp, den Nick uns geben konnte.
Losfahren, Augen und Herz öffnen und genießen - genießen - genießen!
Kia Ora!
PS: Für die besten Daunenjacken der Welt checkt www.truetrue.co.nz oder kommt nach Wanaka zum "native seeds" - Store! Es lohnt sich - schon allein wegen des Weges zum Ziel!
(geschrieben von Sandra) |