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Camellotten - "Gabeln bitte!"
Montagmorgen in Peking. Die Sonne kitzelt uns durchs Fenster unseres Hostels wach. Wir sind etwas später dran, als der Rest der Stadt mit seinen 13 Millionen Einwohnern.

Draußen herrscht bereits geschäftiges Treiben. Fahrradklingeln, Autohupen, Ansagen aus den Lautsprechern der Zeitungsverkäufer, joggende Menschen und Chinesen, die überall stoppen, um mit Tai-Chi-Übungen ihren Körper und Geist auf den neuen Tag vorzubereiten.
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Auf geht's zur Fahrradtour! Wir sind schließlich in China. Als wir unsere Räder ausleihen, brechen wir in Lachen aus. Alle Räder sind kleiner als Anne, alle bereits historisch wertvoll und jedes mit seiner besonderen kleinen Eigenheit. Christinas ohne Bremse, Annes mit einem falsch befestigten Lenker und Sandras Sattel um 360 Grad drehbar. Aber uns kann nichts aufhalten.
Robin, unser Hostelchef, winkt uns zum Abschied lachend zu und wünscht uns viel Glück! Er lächelt und denkt dabei vermutlich sowohl an die Tücken der Fahrräder als auch an die Tatsache, dass wir als Europäer hier etwas Außergewöhnliches sind. Die Strassen in Peking sind breiter als die größten deutschen Arkaden. Allein auf dem Radweg hätte eine Landstraße Platz.
Um uns herum erwacht die Stadt minütlich mehr zum Leben. Das Konzert aus Hupen und Klingeln wird lauter und lauter. Fahrräder ziehen an uns vorbei, so hoch beladen mit Geräten jeder Art, Sperrmüll, Lebensmitteln oder Wasserkanistern, dass wir ihre Fahrer nicht mehr sehen können, die sich dahinter abstrampeln.
Ein älterer Chinese folgt uns lächelnd. An der nächsten Ampel wartet er auf uns. Erwartungsvoll sieht er uns an und schenkt uns ein breites Grinsen und ein eifriges Nicken. Der Grund: Christinas blonde Haare. Eine echte Rarität im Reich der Mitte.
Im Chaoyang-Park machen wir es uns neben einem kleinen Tempel gemütlich. Um uns herum lassen nahezu alle Menschen, vom Kind bis zum Opa, ihre Drachen steigen. Ein Bild, das man hier jeden Tag an allen Orten bestaunen kann.
Inmitten dieser entspannenden Atmosphäre liest uns Anne aus unserem Weltreisebuch vor. Plötzlich hören wir eine Stimme, die sagt "It sounds like they're from Germany!" Neugierig schauen wir uns um und lernen so Daniel aus München und seine Freundin Jenie aus Shanghai kennen. Da die Chinesen nur einmal im Jahr länger als drei Tage frei haben, nutzen sie diesen Urlaub, um Peking zu besuchen.
Nachdem wir von Jenie an diesem Nachmittag bereits viel über das Land und seine Menschen erfahren haben, schlägt Daniel vor, uns zum Abendessen im "The Den" zu treffen. Klass. Wir sind dabei, denn "The Den" ist wochentags ein Restaurant und am Wochenende eine Bar, in der sich Menschen aus aller Welt treffen.
Als wir später dort ankommen, empfängt uns die Bedienung in chinesischer Tracht. Sie trägt einen roten, aufwändig bestickten Mantel aus Seide und perlenverzierten Kopfschmuck.
Unser "Ohne Wörter-Wörterbuch" können wir an diesem Abend getrost zu Hause lassen. In Jenies Begleitung fühlen wir uns wunderbar aufgehoben.
Während wir drei mit unseren famosen Stäbchenfähigkeiten für lachende Gesichter im ganzen Restaurant sorgen, versinken wir in unzähligen Geschichten aus dem Leben in einem Land, das ein Fünftel der Menschheit ausmacht. Plötzlich geht
die Musik aus und die Lichter gehen an. Ein dezenter "Rausschmeisser" auf Chinesisch. Es ist 2:00 Uhr morgens – die Zeit war weg wie nix. Wir bedanken uns bei Daniel und Jenie für den wunderschönen Abend. Glücklich und mit ihren Adressen im Gepäck radeln wir zurück zu unserem Hostel. Es sind die beiden ersten Adressen, die in unser Gepäck aufgenommen werden.
Morgen früh geht's dann zur Chinesischen Mauer – 6.000 km lang und im Laufe von 2000 Jahren entstanden. So etwas Unvorstellbares müssen wir gesehen haben!
Zum Schluss dann noch ein kleines Gewinnspiel rund um den "7.Sinn" und die allgemeine Verkehrssicherheit: Wer einen chinesichen Radfahrer trifft, der nachts mit Licht fährt, bekommt von uns ein Abendessen geschenkt!
Zaijian! Goodbye!
Eure Camellotten LP
     [11.06.2004]
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