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Kehrseite der Pistengaudi - Kreuzbandriss
Wintersportarten wie Skifahren und Snowboarden erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Rund sechs Millionen Deutsche lockt es jedes Jahr zur Saison auf die Piste.

Doch bei phänomenalem Winterwetter und traumhaften Skibedingungen vergisst so mancher Schneesportler, dass schwungvolle Abfahrten nicht nur Spaß machen, sondern auch Gefahren ber-gen. So entspricht die Zahl der Winterunfälle einem Viertel aller Unfälle im Sport – nicht selten eine Folge mangelnder Vorbereitung und Kondition. Mit fast 40 Prozent stehen Knieverletzungen an der Spitze aller Skiunfälle. Besonders häufig trifft es die Bänder, die Gelenke stabilisieren und stützen.
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Kreuzbänder sind wie ein Sicherheitsgurt
Wie ein Sicherheitsgurt verhindern Kreuzbänder beim Aufsetzen des Unterschenkels ein Wegrut-schen des Oberschenkelknochens über das Schienbein. "Am häufigsten kommt es zu Verletzungen des Bandapparates, wenn eine große Kraft auf das Gelenk trifft und der Betroffene sich gleichzeitig in einer Drehbewegung befindet," erklärt Dr. Jürgen Toft, Chefarzt der Münchener Alpha Klinik. All-jährlich verzeichnet er in den Wintermonaten einen sprunghaften Anstieg von Patienten mit Kreuz-bandrupturen.
Diagnose Kreuzbandriss:
Nach einem Sturz denken viele Skifahrer nicht an eine ernsthafte Verletzung, da es beim normalen Gehen nicht zwingend zu einer unmittelbaren Einschränkung kommt. Aus diesem Grund empfiehlt der Mediziner jedem Gestürzten, sehr gut auf seinen Körper zu hören, um eventuellen Folgeschäden an Minisken, Gelenkknorpeln und übrigen Kapselanteilen vorzubeugen. Für Betroffene, die auch zukünftig nicht auf ihre gewohnten sportlichen Aktivitäten verzichten wollen, bietet sich eine OP an, die der Wiederherstellung eines stabilen Knies auch unter starken Belastungssituationen dient. Im Hinblick auf eine operative Therapie gilt: Schneller ist nicht besser. "Da das Risiko einer Gelenkvernarbung mit Bewegungseinschränkung in den ersten Tagen nach dem Unfall besonders groß ist, operieren wir eine solche Knieverletzung erst nach etwa vier Wochen", erläutert Dr. Jürgen Toft. In der Zwischenzeit steht die medikamentöse Behandlung von Entzündungen und das Ab-schwellen des Knies im Vordergrund.
Vorteile der speziellen Methode:
Hobbysportler, die bald wieder auf die Bretter steigen wollen, operiert der Kniespezialist mit der so-genannten Semitendinosustechnik. Aus der Rückseite des Oberschenkels entnimmt er ein Stück körpereigene Sehne als Implantat, die er vierfach verschlungen und vernäht in das verletzte Kreuz-band einpflanzt. Im Gegensatz zu gängigen Kreuzbandoperationen ziehen Toft und sein Team das verpflanzte Sehnenmaterial durch noch vorhandenes eigenes Kreuzbandgewebe.
Vorteil dieser nur in der Alpha Klinik durchgeführten speziellen Methode: Nervenrezeptoren des alten Kreuzbandes bleiben weitgehend erhalten, das Transplantat heilt schneller ein und das Gelenk erhält wieder seine ursprüngliche Stabilität. Bereits kurz nach dem halbstündigen, minimalinvasiven Eingriff gehen Patienten vorsichtig und verlassen gleich am nächsten Tag die Klinik. Innerhalb von zwei bis drei Monaten kehrt die volle Belastbarkeit zurück. Starke Drehbewegungen, wie beim Skilaufen, er-laubt Dr. Toft nach sechs Monaten. Bereits 1983 führte der Mediziner die arthroskopische Kreuz-bandoperation in Europa ein. Bis heute operierte er in diesem Bereich 3.900 Patienten erfolgreich und gilt als Pionier dieser Operationstechnik.
80 % aller Schneesportunfälle passieren wegen Unaufmerksamkeit und anderer Dinge
80 Prozent aller Schneesportunfälle entstehen durch Beobachtungs- und Wahrnehmungsfehler, Unaufmerksamkeit und Selbstüberschätzung. Unkenntnis der Pistenregeln, unausgereifte Grundtechniken und mangelnde Ausrüstung in Form von fehlerhaft eingestellten Skibindungen zählen zu den Hauptgründen für Skiunfälle. "Neben einer unzureichenden Vorbereitung fehlt vielen Wintersportlern, die in den nächsten Wochen in den Skiwinter starten, körperliche Fitness ", erläutert Dr. Jürgen Toft. Durch einige Vorsichtsmaßnahmen lässt sich die Gefahr von schweren Stürzen, ermüdungs- und erschöpfungsbedingten Verletzungen auf der Piste verringern. "Besonders gezielte Skigymnastik, die skisportspezifische Kondition aufbaut und trainiert, kann Sturzrisiken reduzieren," verdeutlicht Dr. Toft, "da Skilaufen Muskelgruppen beansprucht, die bei anderen Sportarten kaum zum Einsatz kommen." Zu einer idealen Vorbereitung gehören grundsätzlich Koordinations-, Gleichgewichts- und Reaktionsübungen sowie Ausdauer- und ganzheitliches Muskeltraining zur Leistungssteigerung. Gegen Pisten–Rowdys ist noch kein Kraut gewachsen, die Beherzigung einer altbewährten Dreier-Regel senkt indessen eine Vielzahl denkbarer Verletzungsrisiken und sorgt für sicheres Pistenvergnügen: Verlass die Piste vor drei Uhr nachmittags, geh am dritten Tage einkaufen und sei aufmerksam, wenn du oberhalb von 3000 Metern Ski fährst. Skiunfälle: Schnee von gestern! TS
     [30.01.2004]
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