
Seit fast fünf Wochen (das sind über 800 Stunden!), ACHTUNG: STAND MITTWOCH, 13. AUGUST!!!!! sitzt der Hochschullehrer aus Chicago (USA) abwechselnd in den beiden Achterbahnen "Expedition GeForce" und "Superwirbel" und fährt Runde um Runde.Er hat sich weder durch die Gluthitze der vergangenen Woche aufhalten lassen, bei der bis zu 48 Grad Celsius in der schattenlosen "GeForce" gemessen wurden, noch durch einen Kurzschluss in den ersten Stunden seiner Rekordfahrt. Am meisten aber schütteln nicht die Zuschauer, sondern Menschen, denen von Berufswegen diese Rekordfahrt Zweifel an ihrer jahrelangen Ausbildung gibt, die Köpfe: Die Ärzte, die Richard ständig untersuchen. Und die nicht fassen, was sie im Holiday Park mit ihrem "Patienten" erleben.
Anzeige Mit Problemen gerechnet "Wir haben zu Beginn der Marathonfahrt nicht ausgeschlossen, dass Herr Rodriguez möglicherweise Probleme mit der Durchblutung seiner Beine bekommt", erklärt Oberarzt Thomas Riekehr von der Mosel-Eifel-Klinik, der bekanntesten deutschen Fachklinik für Venenerkrankungen in Bad Bertrich. Dr. Riekehr hat Richard Rodriguez bereits mehrfach aufwendig untersucht - am Tag des Starts der diesjährigen Rekordfahrt besonders gründlich mit einem 150.000 Euro teuren Duplex-Ultraschallgerät der Firma Philips.
Sehr gute Vorbereitung "Dass ich am Starttag keine negativen Veränderungen bei Herrn Rodriguez feststellte, war zu erwarten - der Mann kam schließlich bestens vorbereitet zu mir, hatte viele Monate in Amerika für diesen Rekord trainiert", erklärt Dr. Riekehr. "Und wenn ich am 10. Juli etwas festgestellt hätte, wäre eine deutliche Warnung an die Parkdirektion automatische Folge gewesen! Aber Rodriguez zeigte sogar, ganz sportlertypisch, erhöhte Durchblutungswerte. Doch dass bis heute, nach viereinhalb Wochen Dauerfahrt über Tag und Nacht, Herr Rodriguez immer noch keinerlei Symptome und Beschwerden zeigt, ist mehr als erstaunlich. Das ist geradezu unglaublich!" Das gleiche sagt auch Petra Hager-Häusler, Geschäftsführerin der Deutschen Venenliga, die ebenfalls die Rekordfahrt des Hochschuldozenten verfolgt: "Jeder andere hätte nach vier Wochen Dauersitzen eine Thrombose bekommen, die lebensgefährlich sein kann!"
Die Achterbahn "Expedition GeForce" Eine interessante These Es gibt mittlerweile eine interessante These, über die das Ärzteteam im Holiday Park Hassloch offen spekuliert: "Wir haben überlegt, ob möglicherweise die ständigen Wechsel der G-Kräfte eine Ursache dafür sind, dass das Blut im Kreislauf von Herrn Rodriguez derartig gut weiter zirkuliert", erläutert der Oberarzt. "Bei positiven G-Kräften wird Blut nach unten gepresst. Da verfügt die Achterbahn Expedition GeForce bekanntlich über 4,5 g. Sieben Mal pro Runde erzeugt diese Bahn allerdings auch das Gegenteil, die negativen G-Kräfte, bei denen die Blutmasse nach oben, durch die Venenklappen, Richtung Herz gedrückt wird. Und genau dieser Effekt von bis zu 1,5 g negativ könnte dafür sorgen, dass Rodriguez sich bester Gesundheit erfreut!"
Der Facharzt für Venenleiden doziert weiter: "Höchste Thrombosegefahr herrscht, wenn das Blut steht. Und Blut steht, wenn keine Bewegung vorhanden ist. Dann funktioniert der Bluttransport durch die Muskelvenenpumpen nicht mehr ausreichend. Ein gutes Beispiel ist das stundenlange, bewegungslose Sitzen bei Langstreckenflügen. Und durch das Stehen bleiben des Blutes kann dieses zum Teil gerinnen - es bildet sich ein Pfropf - die Thrombose ist da. Und nun haben wir überlegt, ob es nicht sein könnte, dass durch die Hin- und Herschüttelei, durch das ständige Wechselspiel der G-Kräfte, die ja in der Differenz gewaltige sechs g ausmachen, das Blut von Herrn Rodriguez nicht doch ausreichend in Bewegung gehalten wird."
Seit viereinhalb Wochen lebt der Amerikaner in der Achterbahn im Holiday Park. Alles nur Spekulationen
Die Spekulation der Rekord-Ärzte geht sogar noch einen Schritt weiter: "Im Superwirbel, der kleineren Bahn, in der Rodriguez nachts schläft, entstehen kaum negative G-Kräfte. Also ist im Superwirbel die Thrombose-Gefahr für Rodriguez höher. Aber die 62 Meter hohe, viel rasantere Expedition GeForce - die ist für den Richard quasi wie eine Art Medizin."
Dr. Riekehr: "Aber wie gesagt, das ist eine These. Beweisen können wir das nicht. Denn dazu müssten wir eine richtige empirische Untersuchung mit einigen hundert freiwilligen Vergleichs-Personen anstellen. Und wo sollen wir Menschen herbekommen, die wie Richard Rodriguez wochenlang auf der Achterbahn zubringen wollen!"
Für die Achterbahn geboren Ganz simpel fasst der Weltraum-Mediziner Dr. Friedhelm Baisch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Weltraum, der DLR Köln die gesundheitliche Situation von Richard Rodriguez zusammen. Dr. Baisch hatte den Amerikaner einen ganzen Tag in Köln untersucht: "Der Herr Rodriguez ist einfach für die Achterbahn geboren!"
MS
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