
Eisige Winde, aufgewühlte Seen, unberechenbares Hochmoor kennzeichneten den Auftakt des Abenteuersport-Weltcups in den schottischen Highlands. Abenteuersportler müssen hart im Nehmen sein. Der Veranstalter hatte sie Freitag Abend noch einmal vorgewarnt: So sanft sich die schottischen Highlands in der Abendsonne ausmachten, so unberechenbar sei die Witterung im Caingorms Gebirge. Von einer Stunde auf die nächste könnten in diesem mythischen Landstrich apokalyptische Verhältnisse herrschen, mit denen es nur erfahrene Outdoor-Sportler aufnehmen könnten.
Anzeige Wie schon vor drei Jahren erwies sich der Ben Nevis erneut als uneinnehmbar, Schneeverwehungen und Sturmböen um die 100 km/h machten eine Routenwahl 600m unter dem Gipfel notwendig.Voller Einsatz wurde gefordert Was dann geschah, übertraf aller Erwartungen. Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, Regen und Sturm beim Start in Glen Nevis (nahe Fort William) zwangen den Renndirektor zum Abwarten und zur Verkürzung der ersten Trekking-Etappe, die über den höchsten Gipfel der britischen Insel (1.344 m) führen sollte. Wie schon vor drei Jahren erwies sich der Ben Nevis erneut als uneinnehmbar, Schneeverwehungen und Sturmböen um die 100 km/h machten eine Routenwahl 600m unter dem Gipfel notwendig, Hagelsturm und Regen forderten auch so ihren Tribut und an schnelles Fortkommen war auf den glitschigen Pfaden nicht zu denken. Selbst die darauf folgende schnelle MTB-Etappe am Ufer des Loch Lochy war nichts zum Aufwärmen, sondern verursachte Muskel-krämpfe und eisige Finger. Nass ging’s in Kanus weiter über den Fluss Oich, der natürlichen Verbindung mit dem See von Loch Ness.
Loch Ness trennt die Spreu vom Weizen Erste Sonnenstrahlen beim Ablegen von Fort Augustus (Südufer von Loch Ness) trügten: Inmitten des Sagen umwobenen Sees stellte sich eine neuerliche Regenwand vor die Kajaks der knapp hinter einander gestarteten Mannschaften und schied die Spreu vom Weizen. Der frühere Wildwasser-Kanute Gilles Lelièvre (VSD-EIDER, FR) fand’s "abwechs-lungsreich" und freute sich auf den sich Meter hoch türmenden Wellen zu surfen. Andere bekamen es mit der puren Angst zu tun. Der auf dem Wasser noch wenig geübte Schweizer Iwan Schuwey (SALOMON, CH): "Der Rhythmus war draußen, die Arme müde und wir konnten kaum die Richtung halten, die Wellen brachen nur so über uns herein. Als wir dann einige Teams kentern sahen, sind wir doppelt vorsichtig geworden."
Die Unterschiede im technischen Know-how schlugen sich im Zwischenklassement nieder: Titelverteidiger SALOMON (CH), Gewinner der letztjährigen X-adventure Raid Series waren nicht unter den ersten Zehn zu finden, und selbst die favorisierten Franzosen von Team QUECHUA hatten eine halbe Stunde Rückstand auf die führenden Teams VSD-EIDER (FR), ERTIPS (FR), SAAB-SALOMON (GB) und HUMAN LINK (SE). Loch Ness:Inmitten des Sagen umwobenen Sees stellte sich eine neuerliche Regenwand vor die Kajaks der knapp hinter einander gestarteten Mannschaften und schied die Spreu vom Weizen. Wunderschön, aber hart So furchtbar der Sturm, so schnell war die Sonne da. Nach einer Wasserfallüberquerung und einem Abseilakt in die dunkel brausenden Wasser der Foyers Falls starteten die Teams um 18:00 auf MTBs in die Monadhlia Mountains, um dieses völlig Natur belassene, waldlose Bergmassiv zwischen Loch Ness und dem Fluss Spey über rund 50 km zu durchqueren. "Es war wunderschön", gestand der Kapitän der zu diesem Zeitpunkt führenden Mannschaft VSA-EIDER (Sieger des Raid Gauloises 2002), "wir kreuzten im Hochmoor unendlich viel Freiwild, Hasen, Auerhähne, ganze Herden von Hirschen. Aber hart war es dennoch. Über einen Pass mussten wir die Bikes tragen, denn im Torf führte kein Weg mehr weiter." Den letzten Teil der Strecke legten sie zu Fuß bis zum Nachtlager in Aviemore zurück, in dem die ersten Teams gegen 23:00 Uhr eintrafen, während die letzten erst gegen 6:00 Uhr morgens einliefen.
Abkürzung mit Folgen Beim Aufbruch in Kanus über den sanft fließenden Spey, ein weltweit bekanntes Fischer-Eldorado, sonntags um 5:30 Uhr, war das Wetter gnädig und in der Folge gab es kein Halten mehr für die starken Inline-Skater NORDIC AVENTURE (FR), QUECHUA-LES ARCS (FR) und einige skandinavische Teams. Auch SALOMON Schweiz hatte bereits einige Zeit am Vorabend gut gemacht und war wieder im Rennen. Aber allen voran hatten die Briten von SAAB SALOMON (3. im Abschlussranking 2002) den größten Ehrgeiz, ihren Heimvorteil zu nützen und erstmals eine Etappe der X-adventure Raid Series zu gewinnen. Der Druck auf die beiden führenden Teams erwies sich jedoch einmal mehr als fatal: Sowohl VSD als auch SAAB SALOMON, ansonsten in der Navigation fehlerfrei, wählten eine miserable Abkürzung und mussten somit QUECHUA-LES ARCS vor der abschließenden langen Trekking-Etappe die Führung überlassen.
"Wie ein Gummiseil an den Fersen" 2:30 Std. war ihr Vorsprung auf die britischen Bergläufer, die nicht locker lassen wollten. "Wie an einem Gummiseil hefteten sie sich an unsere Fersen!" erzählte Kapitän Héléne Rochas. Beide Teams mobilisierten auf den Kilometern bergab ins Ziel von Glenmore Lodge ungeahnte Kräfte und lieferten sich einen gnadenlosen Sprint, den QUECHUA-LES ARCS um einige Meter für sich entscheiden konnten... bevor beide Teams im Zielraum vor Erschöpfung in die Knie gingen.
Tapfer geschlagen haben sich auch die Österreicher von SALOMON CARINTHIAN ADVENTURE (Rang 21). Für die Kärntner um Mario Bürger war es in Schottland nicht nur ums Punktesammeln für eine Qualifikation für den Raid Gauloises 2004 gegangen, sondern sie nützten den Wettkampf auch als Test für den Raid Gauloises im Juni 2003 in Kirgisien. BRIKO TIROL hingegen hatte erneut Pech: Auf Loch Ness kenterten die Tiroler und mussten aufgrund schwerster Unterkühlung das Rennen vorzeitig aufgeben. ME |