
Interview mit Jörg Berg, Helferläufer.| « zurück zum Leitartikel |
Persönliche Daten:
Anzeige Initiative 42 km of Cologne Warum haben Sie sich bei „42 km of Cologne“ als Helferläufer beworben?
Jörg Berg: „Ich war bei der ersten Staffel in Berlin bereits als Helferläufer dabei und fand das Projekt sehr spannend. Außerdem fand ich die Möglichkeit toll, mit meinem Hobby etwas Sinnvolles zu unterstützen. Daher habe ich mich entschlossen, auch bei der nächsten Staffel wieder mitzumachen.“
Wie haben Sie von der Initiative erfahren?
Jörg Berg: „Ursprünglich habe ich über Joachim Franz von dem Projekt gehört, mit dem ich privat bekannt bin und der Partner der Initiative ist.“
Inwiefern hat sich die Teilnahme am Marathonprojekt für Sie persönlich gelohnt?
Jörg Berg: „Für mich sind die Erfahrungen, die ich durch das Projekt gesammelt habe, sehr wichtig. Zu Beginn hatte ich zugegebenermaßen ein eher klischeehaftes Bild von Menschen, die an HIV erkrankt sind. Als ich jedoch zum ersten Treffen des B42-Teams kam, das war 2007, habe ich gleich beim Betreten des Raumes festgestellt: Die Menschen, die ich dort erwartet hatte, waren da gar nicht. Dort saßen ganz „normale Menschen“ wie du und ich, die eine Krankheit haben. Das war für mich der erste Schritt, mich von dem Klischee zu lösen, dass HIV nur in bestimmten Ecken zu finden ist.“
Wie erleben Sie das B42-Team?
Jörg Berg: „Das B42-Team empfinde ich als sehr bunt. Es gibt so viele verschiedene Persönlichkeiten, die dennoch ein Team bilden, ob Läufer oder Helferläufer, HIV-positiv oder -negativ. Wir laufen zusammen, wir feiern zusammen und gehen sehr herzlich miteinander um. Mit einem Teilnehmer aus der ersten Staffel, der auch in Köln als Helferläufer teilnahm, bin ich auch schon mehrfach privat gelaufen.“
Was bedeutet Marathon für Sie und wie viele Läufe haben Sie schon absolviert?
Jörg Berg: „Marathon ist für mich eine Möglichkeit, fit zu bleiben, mich zu entspannen und gesteckte Ziele zu erreichen. Bis jetzt habe ich seit meinem Marathon-Debut 2002 in Berlin 28 Marathons gelaufen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, einmal im Jahr eine größere Reise zu unternehmen und dabei einen Lauf in einem anderen Land zu absolvieren. So bin ich unter anderem schon in Kapstadt, New York, San Francisco, Boston und London gelaufen.“
![]() © Gesundheitsunternehmen Abbott Wie überwinden Sie den inneren Schweinehund?
Jörg Berg: „Ich plane das Laufen fest in meinen Tagesplan ein. Ich gehe morgens vor der Arbeit um halb sechs laufen, dann kann ich meinen Tag noch planen und gestalten. Zudem muss ich sagen, dass das Laufen einen belohnt und auch süchtig macht, im positiven Sinne. Mittlerweile habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht laufen gehe.“
HIV in der Öffentlichkeit Welches Bild hat Ihrer Meinung nach die Öffentlichkeit von HIV?
Jörg Berg: „HIV wird meines Erachtens immer noch als eine Krankheit von Randgruppen wahrgenommen. Es herrscht das Bild vor, dass die Betroffenen ihre Krankheit selbst zu verantworten haben und dass man sich besser von ihnen fernhielte. Ich hatte ja selbst vorher ähnliche Bilder, habe aber meine Einstellung grundlegend überdacht und durch den engen Kontakt im Team einiges dazugelernt. Ich mache keine Unterschiede zwischen den Läufern im Team und anderen privaten Freunden, vielleicht bin ich sogar durch die intensiven gemeinsamen Erfahrungen im Umgang mit ihnen noch ein Stück weit herzlicher. Irgendeine Scheu, sie zu drücken oder ähnliches, gibt es nicht, warum auch.“
Sollte sich an der öffentlichen Wahrnehmung von HIV etwas ändern?
Jörg Berg: „Auf jeden Fall. Ich versuche selbst, mein Umfeld, ob beruflich oder privat, über die Erkrankung und vor allem über die Menschen zu informieren. Es sollte viel mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, dass die Krankheit eben nicht nur in bestimmten Bevölkerungsschichten zu finden ist, sondern dass der Querschnitt durch die Gruppen im Prinzip jegliche Bevölkerungsschicht abbildet. Es kann einfach jeden treffen, wenn man nicht vorsichtig genug ist. Es reicht meiner Meinung auch nicht, nur einmal im Jahr einen Weltaidstag zu machen – das Bewusstsein sollte kontinuierlich geschaffen werden.“
Was haben Sie im B42-Team über HIV gelernt?
Jörg Berg: „Vor allem habe ich gelernt, dass man mit der Krankheit ein fast normales Leben führen kann. Außerdem bewundere ich die Menschen, dass sie mit Zuversicht ihr Leben in die Hand nehmen und auch, wie sie große Rückschläge wegstecken. Bei ihnen treten beispielsweise andere schwerwiegende Krankheiten zusätzlich auf. Dennoch machen sie das Beste aus ihrer Lage und sind lebenslustig. Ich weiß nicht, ob ich selbst in dieser Situation den Antrieb hätte, den die Teilnehmer an den Tag legen.“
Persönliche Zukunft Gesetzt des Falles, es gäbe noch eine weitere Staffel, würden Sie wieder mitlaufen?
Jörg Berg: „Absolut, sofort, jederzeit wieder. Ich laufe auch privat unter dem B42-Label, und auch das werde ich weiter tun, unabhängig davon, ob es noch eine weitere Staffel gibt oder nicht.“
[ JO ] |