
Wie sieht sie aus, die richtige Mischung aus Essen und Trinken und Gepäck in der Wüste während eines zermürbenden Marathons? fit1-Experte Danny Verdam verrät uns seine Tricks, ohne deren Hilfe er in der Wettkampfphase nicht bestehen könnte...| [SerienStart] Teil [01] [02] [03] [04] [05] [06] [07] [08] [09] [10] |
Travel Light! Reise mit leichtem Gepäck! Das ist die Devise in Marokko! Ohne große Extras, einfach so wenig Gewicht wie möglich mitnehmen. Doch bevor uns Danny seine Tricks verrät, geht er noch einmal auf die Frage nach dem "Warum" ein. Warum diese Strapazen, warum diese Qual...?
Anzeige "Haben wir Sportler alle Komplexe?" Mich hat eine Frau einmal gefragt ob eigentlich alle Ausdauerathleten Minderwertigkeitskomplexe haben. Irgendwas ist da sicher dran... ich bin mir da selbst gegenüber ziemlich ehrlich. Ja, ich verarbeite schon das eine oder andere aus meiner Vergangenheit, versuche teilweise über das Laufen persönliche Erfolge zu erzielen, mir persönliche Freiräume zu erschaffen, mich so zu positionieren, dass mein Umfeld stimmig ist und ich selbst bestimmen kann wo es lang geht. Ein sportlicher Erfolg bedeutet für mich auch eine gewisse "Sicherheit".
Lebt für den Erfolg: Danny hat das sportliche Ziel fest im Visier - seine langjährige Erfahrung nutzt der Extremsportler, um Nachwuchskräften und allen Interessierten sinnvolle Ratschläge mit auf den Weg zu geben.Vielen kennen sicher Andreas Niedrig, den Deutschen Weltklasse-Triathleten. Er war mal drogensüchtig und sieht seine sportliche Leistungen nun als Ersatzdroge an. Ich bin mir selbst hart gegenüber, gerade deswegen weil ich weiß, wie schnell ich "schwach" werden kann. Auch um persönlich "Misserfolge" aus meiner Vergangenheit glatt zu bügeln. Die Spannung des Erfolges, sowohl beruflich und sportlich, brauche ich um durchzuhalten und weiterzukommen. Es kann genau so sein das ich "morgen" das Handtuch schmeisse... aber wer weiss schon, was morgen passiert!
Das Umfeld schweißt zusammen... Jemand der sehr viel Zeit mit sich verbringt, ist sehr "ich"-bezogen, in allem war er tut. Jedoch: Das Spannende an Wettkämpfen wie dem Iron Man oder diesem Wüstenlauf ist, dass man als Individuum doch Teil des Ganzen ist. Man lacht und weint zusammen, teilt Erfahrungen und Emotionen, hilft sich gegenseitig um gemeinsam gut durch zu kommen. Das Umfeld ist "ehrlich", so wie die Natur um sich herum, mit der man mehr und mehr "eins" wird.
Gegner oder Partner? Alle Teilnehmer sitzen im gleichen Boot, wollen die Hürde "Wüstenmarathon" nehmen. Trotz des Konkurrenzkampfes bildet das Läuferkollektiv eine große Einheit.Ich schöpfe viel Kraft aus meiner natürlichen Umgebung - Der Wald, die Berge.... Ich lasse mich auch nie vom schlechten Wetter negativ beeinflussen und kann sogar das Laufen bei Wind und Regen genießen, weil ich weiß dass ich damit eine Situation "gemeistert" habe.
Der Mensch zu viel mehr in der Lage als er denkt, das meiste ist reine Kopfsache. Man spricht nicht umsonst von "Erfahrung". Es ist meistens das Mentale, das einen letztendlich ins Ziel bringt.
Jetzt aber kommen wir zum essenziellen Teil der Tour, der Ernährung und dem Equipment!
Die Ernährung - Was hilft, was schadet? Travel Light! Reise mit leichtem Gepäck! Das hört sich so einfach an, aber.... da sind dann noch immer diese 2.000 Pflicht-KCAL am Tag. Und noch schlimmer, sobald man Hunger bekommt, hat man verloren, das weiß jeder Läufer. Es ist für alle Teilnehmer die 100.000 € Frage: Was nur, was nehme ich mit?
2.000 KCAL? 2 Big Macs, 1 Milchshake und das Ganze ist gegessen. Nun, wie kriegt man das aber hin bei 25 – 80km am Tag?
Ok, erstens baue ich mir über die letzten 3 Wochen vor dem Rennen einen "Puffer" von 3 Kilo Körpergewicht auf. Das ist meiner Meinung nach auch notwendig, weil mein Körperfettserzentage ziemlich niedrig ist. Ich besitze keine richtigen Reserven. Zweitens reduziere ich das Training die letzten 14 Tage drastisch, so kommt auch mein Wasserhaushalt ein weinig zur Ruhe und "sättigt" meinen Körper. Manche Produkte wie Nüsse, Bananenchips oder spezielle Fertigmahlzeiten, sorgen für genügend Energie abends im Camp.
![]() Proviant: Die Ration eines Marathonläufers für die gesamte Sahara-Odyssee. "Low Oz", das Synonym für Energie Tagsüber heißt meine Energiequelle "Low Oz", ein Energie-Pulver, das nicht nur für ausreichend Kohlenhydrate sorgt, sondern dazu auch sehr schnell in Verbindung mit Wasser im Körper aufgenommen wird. Durch die enorme Hitze und Anstrengung verliert der Körper am Tag sehr viele Mineralien, Magnesium, Natrium und Kalium. Diese Mineralien sind in "Low Oz" enthalten. "Low Oz" unterstützt die schnelle Absorption von Flüssigkeit um den Elektrolytenhaushalt auszugleichen, und genau da kommt dieses Produkt optimal zum Einsatz.
Wir erhalten vom Veranstalter 9 Liter Wasser am Tag. Glaubt mir, jeder Tropfen kommt zum Einsatz. Die Körperpflege beschränkt sich auf das Zähneputzen, alles Andere muss warten bis ins Ziel. Ich trinke in Abschnitten von 3-4 Minuten, immer einen kleinen Schluck. Die Verpflegungspfosten liegen ca. 10 – 15km auseinander. Hier muss man wirklich wirtschaften, um nicht ohne Wasser zu stehen. Das Roadbook zeigt täglich auf, wo die Verpflegungsstellen sind, man kann es nach einer Zeit schon einschätzen. Obwohl: Ich habe mich auch schon einmal vertan und bin 1 ½ Stunden ohne Wasserreserven durch die Dünen gegurkt... das Schlimmste war, nicht einschätzen zu können, wo der nächste Checkpoint war. Das sind die Situationen, in denen man richtig Panik bekommt.
Die Kraftquelle für die Wüste: LowOz ist ein Pulver, das der Körper in Verbindung mit Wasser optimal und schnell in Energie umsetzen kann.Danny's Tagesration: Hier erhaltet Ihr einen Überblick über meine Nahrungszufuhr in der Sahara:
Gewappnet für die Wüste? Nur mit passendem Equipment Klar, wer wenig dabei hat, hat weniger auf den Schultern zu tragen. Und glaubt mir, jedes Gramm zählt. Bei meiner 1. Teilnahme hatte ich richtig Angst, zu wenig dabei zu haben. Reicht das Essen? Reichen die Klamotten? Mit fast 12 Kilo (inkl. Wasser) bin ich losgelaufen, dieses Jahr werden es 9 sein. Wie? Von allem etwas weniger, keinen extra Pulli für morgens, keine Matratze, keine extra Socken, weniger Essen. Ich lege mich halt auf einen Karton, den ich mir jeden Tag im Ziel besorge. Die meisten Items werden aus Sicherheitsgründe mitgenommen; Kompass, Stirnlampe für die Nachtetappe, Notleuchtrakete...
Die Pflichtausrüstung:
Danny's persönliche Ausrüstung:
Die Nahrung im Überblick Mehr zum Überlebenskampf in der Wüste erfahrt Ihr im nächsten Serienteil auf fit1! MS
|
| weiter zu Teil 4 » |