
Die Fortsetzung unserer Serie über den Wüstenmarathonler Danny Verdam, der sich Anfang April erneut den Gefahren der Sahara aussetzt! Jetzt lernt Ihr seine Psyche kennen...| [SerienStart] Teil [01] [02] [03] [04] [05] [06] [07] [08] [09] [10] |
Im ersten Teil unserer Danny Verdam-Story "Ein Schritt weiter als unendlich!" habt Ihr Danny bereits kurz kennen gelernt, einen kleinen Einblick in seine Welt des Extremsports bekommen, seine Denkweise erfahren. Hier wollen wir anknüpfen - Euch mitteilen, was sich während eines Wettkampfes wie dem "Marathon des Sables", dem härtesten Rennen der Welt, in Danny's Kopf und Psyche abspielt...
Anzeige 30% Füße, 70% Psyche "Ich erinnere mich an das erste Mal im Jahr 2000. Als frischgebackener Iron Man mit 35 Jahren, heftigst motiviert um gut durchzukommen stand ich am Start. Ein fitter Körper, doch es sollte alles anders kommen. Das Resultat: 3 ½ Tage vorne mitgelaufen, 3 ½ Tage hinterher gestolpert, die Königsetappe mit 76 KM in 24 (!) Stunden absolviert. Blasen ohne Ende, auch psychisch am Ende.
Wie nach einem Tanz auf heissen Scherben: Die Füße eines Marathonläufers nach nur 3 Tagen......ich war gerade von der Freundin getrennt und war erst kurz vorher umgezogen, meine Klamotten noch in Kisten gepackt. Finanziell mit meiner eigenen Firma angeschlagen, die erst gerade gegründete Agentur noch nicht recht auf Vordermann gebracht, war ich sehr unausgeglichen. Als Konsequenz daraus entschied ich mich für die Wüste. Vergleichbar mit einer Flucht vor dem Alltag - Laufen um's blanke Überleben. Auch diese Erfahrung habe ich hinter mir. Da ich bereits seit 20 Jahren von meinen Eltern unabhängig bin, ist mir eine gewisses Maß an Durchhaltungsvermögen nicht fremd. Doch dieses erste Mal war anders, unerwartet anders. Geprägt von Schmerzen, die heftiger waren als in meinen schlimmsten Alpträumen, habe ich anschließend die ersten 2 Tage zurück in Deutschland in einem absolute Tiefpunkt verbracht, vollgepumpt mit Emotionen. Es hat sich in meiner Abwesenheit von 10 Tagen nichts geändert. Ich habe mir geschworen, nie mehr anzutreten!!!
"Ich muss wahnsinnig sein, weiter zu machen...". Ironman Danny hatte sich nach seiner ersten Sahara-Odyssee geschworen, es das erste und letzte mal getan zu haben. Dieser Schwur hielt jedoch nicht lange...Der Ehrgeiz hat gesiegt! Doch dann kam mein Wille, mein Ehrgeiz ans Tageslicht. Als Sportler und als Mensch war ich unbefriedigt, mein Ehrgeiz, es mir selbst und allen anderen zu zeigen war größer als die Furcht vor dem Schmerzhaften. In diesen Situationen entscheidet die Psyche, der Kopf. Die Phase der Unentschlossenheit hat genau 6 Monate angehalten. Umso näher der Wettkampf kam, desto stärker wurde mein Antrieb.
Marathon des Sables - Paris Dakar zu Fuß! Fakten zum "Marathon des Sables" (offizieller Name, deutsch: "Wüstenmarathon"):
![]() Schnitzeljagd in der Wüste: An dieser spartanischen Karte müssen sich die Läufer orientieren. Die Einzelheiten:
Zum 18. Mal findet dieses Jahr der so genannte Wüstenmarathon statt. Initiiert von dem Franzosen Patrick Bauer, Inhaber der Organisation Atlantide International, versammelt sich jedes Jahr Anfang April eine Gruppe von ca. 650 Läufer in Marokko, an der Südseite vom Atlasgebirge.
Die Tücken in der Wüste Das besondere an dem Lauf liegt darin, dass alle Läufer ihr Gepäck und Verpflegung für 1 Woche in einem Rucksack mitschleppen. Dazu zählen Schlafsack, Essen für die ganze Anstrengung, Sicherheitsequipment, Kochgeschirr, Kleidung. Die meisten haben so 11 – 12 Kilo dabei, den Topläufern reichen meist sogar ca. 9 Kilo.
Der Veranstalter stellt nur Wasser, alles Andere ist im Rucksack. Einige Pflichtmaterialien werden vorgeschrieben und vor dem Lauf streng kontrolliert, die minimale Nahrungsaufnahme am Tag beträgt 2.000 KCAL. Ein umfangreiches Medical Team steht jedem Läufer zur Seite, ohne EKG und Gesundheitscheck kann nicht gelaufen werden. Die Läufer werden auf Doping gecheckt, das Gepäck wird unterwegs überprüft, jede fremde Hilfe wird mit einer Strafzeit "belohnt"!
Der Lauf im Kollektiv Man läuft für ein "allgemeines Klassement", wie bei der Tour de France. Morgens früh um Punkt 9 Uhr wird gemeinsam gestartet. Außer an dem Tag des "Big One". Diese doppelte Marathondistanz ist innerhalb von 36 Stunden zu absolvieren, die Übernachtung in einem Zwischenlager ist allerdings dabei gestattet.
Mit 78 Jahren durch die Wüste... Die Teilnehmer stammen aus aller Herren Länder, insgesamt sind 35 Nationen vertreten. Die Deutschen stellen dabei ca. 50 Teilnehmer, im gesamten Feld befinden sich sogar 12 Frauen. Die einheimischen Läufer sind in der Überzahl, haben klare Vorteile, weil Temperatur, Boden und Nahrungsaufnahme bei großer Hitze für diese Menschen der Alltag ist. Obgleich die Gegebenheiten des Marathons selbst durchtrainierten Musterathleten im besten Alter alles und noch mehr abverlangen, befand sich 2002 sogar ein 78jähriger (!) Teilnehmer im Feld. That's life...
Lauf über Dünen und Geröll Die Tagesetappen variieren von 15 – 82km, die Streckenbeschaffenheit wechselt ständig. Mal Dünen bis zu 100 Meter hoch, mal Pisten, mal Geröllfelder. Die Temperatur bewegt sich tagsüber um die 40 Grad, 50 Grad oder sogar noch mehr sind keine Seltenheit. Nachts ist es umgekehrt sogar bitterkalt. Bei 12 Grad und pfeifendem Sturm um die Nase, nur mit einem leichtem Schlafsack und Laufhemd bedeckt, wird selbst die langersehnte Bettruhe zur Qual.
![]() Links: Danny, die Führerpersönlichkeit ebnet den Weg durch das Geröll. Rechts: Nachtruhe in der Sahara Psychisch wird den Läufern ebenfalls alles abverlangt. Über 7 Tage auf sich allein gestellt, entstehen Blasen ohne Ende, vom Rucksack durchgescheuerte Oberkörper und häufig auch Magen- und Darmprobleme.
Ende von Teil 2 der Danny Verdam-Story "Ein Schritt weiter als unendlich!" - Fortsetzung folgt... RH
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