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Frauen laufen eben anders
Von Problemzonen und anderen Unterschieden.

In etwa 150 Jahren wird die erste Frau über 100 Meter schneller laufen als ein Mann. Das behaupten jedenfalls Forscher der Universität Oxford im Magazin "Nature". Nach deren Hochrechnung soll eine Athletin mit 8,079 Sekunden bei den Olympischen Spielen 2156 erstmals einem Mann das Nachsehen geben.
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Das klingt ziemlich utopisch. Ganz gleich, ob irgendwann auch schneller, sicher ist "Frauen laufen anders". So lautet jedenfalls der Titel eines neuen Buches, Autorin ist natürlich eine Frau: Holle Bartosch, 34 Jahre, Sportwissenschaftlerin, erfolgreiche Triathletin, Gesundheitsberaterin ­und Läuferin aus Leidenschaft ("Laufen ist eine Wunderpille").
Wer selbst gerne läuft, lässt es in der Regel laufen, ohne permanent an den kleinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein zu denken. Man läuft und läuft und läuft. Und gerät so über die Jahre in einen gewissen Trott. Sei’s auf der Tartanbahn, auf lockerem Waldboden oder auf dem Laufband im Fitnessstudio.
Dabei weist Lauftrainerin Bartosch darauf hin, "Ihre Körpersprache, Ihre Körperhaltung sind Ausdruck Ihrer Gefühlswelt." Laufen beginnt demnach nicht in den Beinen, sondern im Kopf. Soll heißen, erst die richtige Einstellung oben bringt unten den entscheidenden Fortschritt. Auch sollte Frau die Schultern nicht nach oben ziehen, was sie in der Regel ohnehin schon den ganzen Tag tut, sondern Schultern locker nach unten fallen lassen, damit sie freier laufen und mehr Sauerstoff in einen somit entspannten Brustkorb pumpen kann.
Sehr hilfreich gerade fürs weibliche Geschlecht ist der Rat, beim Laufen nicht nur die Beine aktiv zu bewegen, sondern auch die Arme nicht zu vernachlässigen. "Wer nur an die Beine denkt, läuft nur mit halber Kraft". Also: Arme schön anwinkeln bis Unter- und Oberarm einen rechten Winkel bilden, und dann mehr auf das nach hinten und unten Schwingen achten. Dabei spürt man richtig einen Schub nach vorne.

Foto: Polar/BLV
Netter Nebeneffekt: Schwungvolle Arme formen zudem schöne Schultern.
Außerdem gilt: "Versperren Sie sich nicht mit den Armen den Weg nach vorn." Die meisten Frauen schwingen nämlich die Hände vor dem Brustkorb hin und her. Als ob sie zur Seite ausschlagen wollten.
Richtig aussehen sollte es laut Holle Bartosch so: Hände sind locker geöffnet, nicht zu Fäusten geballt. Daumen raus, Handrücken Richtung Boden, so bleiben die Unterarme neben dem Körper, wo sie das Tempo ganz natürlich unterstützen. Das sieht nicht nur schöner aus, es ist anfangs ein wenig anstrengender, aber bringt deutlich mehr Effekte und damit mehr Spaß.
Warum laufen denn Frauen nun anders?
Zum einen liegt das an ihrer meist anders gearteten Motivation: Frauen laufen in der Regel um abzunehmen, schöner zu werden, ihren Body zu stylen, sich gesund zu halten oder Spaß zu haben; bei Männern ist oft der Wettkampfcharakter stärker im Vordergrund. Zum anderen allerdings auch an feinen anatomischen Unterschieden zu den Männern. Frauentypisch ist zum Beispiel der lange Rumpf: Im Verhältnis zur Körpergröße ist dieser um 2% länger als der männliche. Das bedeutet dummerweise, kürzere Beine und einen tiefer gelegenen Schwerpunkt; der wiederum auch noch darin bestärkt wird, dass das Becken in der Relation breiter ist als beim männlichen Läufer. Das hat oft x-Beine zur Folge.
Was lernt Frau daraus?
Sie muss noch bewusster an ihrer Lauftechnik arbeiten, um körperliche Nachteile auszugleichen. So sollte der Rumpf fest und nach vorne gebeugt sein. Laufen Sie nicht so, wie Sie sitzen, sagt Holle Bartosch. Richten Sie die Hüfte auf (Po nicht nach hinten strecken). Rumpf, Po und äußerer Oberschenkel müssen ein bisschen mehr arbeiten. Sind deren Muskeln zu schwach, senkt sich eine Seite des Beckens zu sehr ab, und das, schreibt Frau Bartosch zu Recht, "sieht nur auf dem Catwalk gut aus."
Die Kombination langer Rumpf und kurze Beine hat einen weiteren Nachteil. Sie verkleinert naturgemäß die Schrittlänge. Der einzige Vorteil dabei: Frau kann ihre Balance besser halten. Sie sollte allerdings darauf achten, dass der Körperschwerpunkt vor der Hüfte liegt. Das passiert automatisch, wenn sie sich stehenderweise nach vorne kippen lässt, und losläuft, bevor sie fallen würde.
Die letzten Problemzonen sind Waden (durch häufiges Tragen von hohen Absätzen ist deren Muskulatur oft verkürzt) und Füsse, die uns mit ihren 28 Knochen, fast ebenso vielen Gelenken, 20 Muskeln und 114 Sehnen durchs Leben tragen. Deshalb ist auch die Laufnachbereitung so wichtig: Gerade weil auch das Laufen zur Verkürzung der Muskulatur beiträgt, läuft nichts mehr ohne anschließendes Dehnen und eine sorgfältige Fußpflege.
Für häufige Stöckelschuh-Trägerin eignet sich im Übrigen der Fersenlauf besser (schont die Wade) als der aktive Laufstil über den Vorderfuß. NWM
All die kleinen Unterschiede der Frau gibt es im Unterartikel zu lesen!
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     [24.06.2005]
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