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Ski-Zeit ist Knie-Zeit
Für Bänder und Sehnen wird Wintersport oft zur Zerreißprobe. Nun reissen sie wieder, werden gequetscht oder gedehnt. Und hinterher wird Reha-Zeit zur Fitness-Zeit.

Statt Hals- und Beinbruch sollte man Skiläufern heutzutage eher Hand- und Bandriss wünschen. Denn die Art der typischen Ski-Verletzungen hat sich entscheidend geändert. Statt glatter Knochenbrüche sorgen verbesserte Materialien und neue Techniken eher für malträtierte Bänder und Sehnen, Das Knie ist zur Schwachstelle und das Kreuzband zur Achillesferse geworden. Zwar haben auch Kreuzbandverletzungen den Schrecken früherer Zeiten verloren, in den mancher ein ganzes Jahr daran laborierte. Aber harmlos sind solche Unfallfolgen absolut nicht, warnt Dr. Hubert Hörterer, Mannschaftsarzt des Deutschen Ski-Verbandes. Heute sind die
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Behandlungszeiträume auch für Kreuzbandschäden viel kürzer. Nach einem etwa 14-tägigen Aufenthalt in einer Akutklinik, kann man in der Regel nach drei bis vier Wochen stationärer Rehabilitationszeit im Alltag wieder bestehen.
Nach sechs bis sieben Monaten ist normalerweise sogar wieder Leistungssport möglich. Trotz der unbestreitbaren Fortschritte in der Behandlung von Keuzbandverletzungen ist aber vor deren Verharmlosung zu waren. Dass die Zahl der Behandlungen gestiegen ist, sagt Dr. Hörterer, liege weniger daran, dass die Zahl solcher Verletzungen zugenommen habe, sondern vielmehr an einer besseren Diagnostik.
Früher wurden Kreuzbandverletzungen häufiger als Distorsionen oder Knieverdrehungen angesehen und der wahre Charakter der Verletzung nicht erkannt. Den Heilerfolgen, die zunächst eintraten, folgten oft Sekundärschäden wie die Instabilität des Gelenkes, das berüchtigte Wackelknie. Daraus resultierten dann Verschleißerscheinungen am Knorpel, Arthrose-Kniegelenke und schlimmstenfalls sogar der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks.
Wichtig ist es daher, selbst bei vermeintlich geringfügigeren Knieverletzungen einen Facharzt aufzusuchen, da sich hinter der Bagatelle ein schwerwiegender Schaden verbergen könnte. Kreuzbandrisse werden üblicherweise operativ behandelt. Dabei sind verfeinerte Operationsmethoden, bei denen die Wundflächen gering gehalten werden, längst gang und gäbe. Für den Erfolg der vollständigen Rehabilitation ist zu fünfzig Prozent aber auch eine entsprechende Nachbehandlung
entscheidend. An deren Anfang stehen zunächst schmerzstillende und abschwellende Maßnahmen wie zum Beispiel durch Eistherapie, Entstauungsmassagen oder Lymphdrainage. Dann folgen später krankengymnastische Übungen, um das Knie wieder beweglich zu machen. Übungen zur Kräftigung des Beuge- und später auch der Streckmuskulatur und schließlich gezieltes koordinatives Training.
In jedem Fall muss der Patient lernen, dass das Knie zu ihm gehört und das Vertrauen zu seinem Knie wieder aufzubauen. Von den rund 300 Knieverletzungen, die der DSV-Arzt pro Jahr im St. Hubertus Medical Park in Bad Wiessee behandelt, haben rund 180 ihren Ursprung im alpinen Skisport. Besonders gefährdet sind Frauen, deren Bandapparat
offenbar weniger als der von Männern gefestigt ist, sowie 18- bis 28-jährige, die ihre Skibindung über den Sollwerten einstellen und einen riskanteren Fahrstil bevorzugen.
Die acht Gebote für starke Knie
1. Bewegen Sie sich und Ihre Knie ausreichend. Achten Sie dabei darauf, das Knie nicht zu überlasten.
2. Wählen Sie Sportarten, die das Kniegelenk nicht zu stark fordern: Kraul- und Rückenschwimmen, Aqua-Aerobic, Radfahren oder Ergometertraining, Wandern und Skiwandern auf ebener Strecke.
3. Trainieren Sie die Kniegelenke regelmässig durch gezielte Gymnastik. Übertreiben Sie am Anfang nicht, denn Gelenk und Muskulatur brauchen Zeit, um sich an das Training zu gewöhnen.
4. Mobilisieren Sie mit Gymnastikübungen Ihr Kniegelenk: Das Knie wird beweglich und Sie bleiben aktiv.
5. Stabilisieren Sie mit Gymnastikübungen Ihr Kniegelenk: Das Knie wird muskulär gestärkt und sicherer.
6. Benützen Sie beim Sport und im Alltag Hilfsmittel, die das Kniegelenk entlasten. Walken und wandern Sie mit Stöcken oder stützen Sie sich beim Hinsetzen auf den Stuhllehnen ab.
7. Nehmen Sie Ihr Knie bewußt wahr und finden Sie heraus, was ihm gut tut. Informieren Sie sich über den Aufbau und die Funktion des Kniegelenks.
8. Entlasten Sie Ihr Kniegelenk so oft es geht und verharren Sie nicht immer in der gleichen Körperposition.
(Aus: Die neue Knieschule, blv-Verlag, München.)
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     [27.03.2001]
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