
Haben Sie sich etwa auch über Ihre letzte Gehaltsabrechnung geärgert? Sie hätten doch nun wirklich keinen Grund. Im Gegenteil: Sie müßten sich sogar freuen.Endlich kommt Bewegung ins deutsche Krankheitssystem, das größte Milliardengrab des Landes. Seien Sie sicher, es mußte erst so schlimm kommen, damit es besser werden kann. Was die Krankenkassen Ihnen diesen Monat mehr abgezogen haben, müssen sie Ihnen schon bald doppelt und dreifach nachlassen.
Anzeige Denn schließlich halten Sie sich fit. Bei zwei, dreimal die Woche Training bleiben Ihnen schon mal die Hälfte aller überflüssigen Krankheiten erspart. Die entstehen nämlich durch Bewegungsmangel. Die andere Hälfte vermeiden Sie, wenn Sie sich mit Sinn und Verstand ernähren und Ihr Gewicht beim BMI (Body Mass Index) im grünen Bereich halten. Falsche und übermäßige Ernährung verursachen nämlich die andere Hälfte der vermeidbaren Krankheiten. Wenn Sie außerdem nicht rauchen, könnten Sie eigentlich aus der Krankenkasse austreten.
So weit sind wir jedoch leider noch nicht ganz. Zunächst geht es um Bonus und Rabatt. Statt ständiger Erhöhungen müssen die Kassen jetzt die Beiträge kräftig abspecken, sonst laufen ihnen die Mitglieder weg. Feilschen Sie mit! Und wenn Ihre Krankenkasse knausert, dann kündigen Sie einfach. Kleine Betriebskrankenkassen sind zur Zeit der Renner. Vorsorglich können Sie schon ‘mal Ihre Chancen für die Rabatt- und Bonusdiskussion verbessern. Dazu sollten Sie regelmäßig in Ihrem Studio zum Fitness-Check gehen und Ihren Fitness-Status dokumentieren lassen. So können Sie dann richtig auf die Rabatt-Tube drücken. Machen Sie Ihrer Krankenkasse die Hölle heiß! Zur Zeit brauchen Kranken-Kassen oder -Versicherungen noch ein paar Denkanstöße.
Die Barmer Ersatzkasse (BEK) zum Beispiel, die erst vollmundig verspricht, allen Mitgliedern Rabatte einzuräumen "die das Rauchen aufgeben oder mehr Sport treiben", um dann quasi im Kleingedruckten nachzuschieben, "zunächst nur Versicherte anzusprechen, die schon länger in Behandlung sind". Das heißt im Klartext: Solange die notorischen Gesundheitssünder nicht bekehrt sind, müssen die Gesundheitsbewußten deren Zeche weiter mitbezahlen. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), denkt in die gleiche Richtung, sieht aber zusätzlich noch "das Problem, wie die Mitglieder kontrolliert werden können". Faule Ausreden oder blanke Unwissenheit?
Waren die DAK-Experten etwa noch nie in einem Fitness-Studio? Die meisten Studios verfügen längst über Testverfahren, mit denen vom Herz-Kreislauf-System über die Muskelfunktion bis zur Flexibilität und Koordination alle gesundheits-relevanten Daten gecheckt und dokumentiert werden können; von BMI-Berechnungen und Körperfettanalysen ganz zu schweigen. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen jenen Mitgliedern Rabatt gewähren, die sich immer zuerst vom Hausarzt behandeln lassen, zu besonderen AOK-Vertrauensärzten gehen oder von vornherein festlegen, nur in bestimmte Krankenhäuser eingeliefert werden zu wollen.
Mit "Gesundheitskasse" hat das Konzept nichts mehr zu tun Mit "Gesundheitskasse", wie sich die AOK seit Jahren selbst nennt, hat dieses Konzept absolut nichts mehr zu tun. Das ist die Philosophie der Reparaturmedizin, die seit Jahren Milliardendefizite verursacht und die Bevölkerung nicht wirklich gesünder gemacht hat. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat ihr Bonusmodell bereits in Gang gesetzt: Wer sich verpflichtet, 300 Euro Behandlungskosten pro Jahr selbst zu tragen, zahlt 240 Euro weniger Beitrag. Alles andere lehnen die TK-Oberen ab: Beim Bonusmodell für Gesundheitsbewußte malen sie das Schreckgespenst vom "Krankenkassen-Überwachungsstaat" an der Wand und das Hausarztmodell kritisieren sie, funktioniere nur, wenn die ärztliche Qualität gewährleistet sei.
Arztbesuche werden dabei nicht eingespart. Ohnehin dürfen an dem TK-Modell nur freiwillig Versicherte teilnehmen; Menschen mit höherem Einkommen also, mit einem in der Regel prallvollen Arbeitstag. Solche TK-Mitglieder haben sicherlich ‘was besseres zu tun, als ihre kostbare Lebenszeit in einem miserabel organisierten Wartezimmer zu verplempern – es sei denn sie sind wirklich krank.
Solidaritäts-Opfer: fit, aktiv und gesund Ulla Schmidt macht den Bock zum Gärtner Und in diesem unausgegorenen Brei rührt nun auch noch die Politik mit. Hier ist der Bedarf an Nachhilfestunden in Sachen Fitness und Gesundheit besonders groß. Krankenkassen- und Ärzteministerin Ulla Schmidt (SPD) zum Beispiel läßt keinen Versuch aus, ihren Vor-Vorgänger Horst Seehofer (CSU) an Diletantismus noch zu übertreffen. ER dokumentierte seine In-Kompetenz vor Jahren mit dem Satz "Fitness hat nichts mit Gesundheit zu tun", SIE rechnet nach Milchmädchen-Manier mit sinkenden Ausgaben, wenn Versicherte regelmäßig zur medizinischen Vorsorge-Untersuchung gingen. Das heißt doch wohl den Bock zum Gärtner machen! Vielleicht muss jemand der Frau Ministerin mal die sogenannte Gesundheits-Branche erklären. Die besteht vor allem aus Arztpraxen, die wie jedes Wirtschaftsunternehmen nach Umsatz und Gewinn streben. Da die Preise ihrer Dienstleistungen reglementiert sind, bringen nur Art und Anzahl der behandelten Fälle Geld in die Kasse. Je mehr Fälle, desto mehr Geld – egal ob der Fall gelöst, sprich: der Patient geheilt ist. Deshalb rechnen einige auch schon mal die Behandlungskosten längst Verstorbener mit der Kasse ab. Je mehr Praxen, desto härter müssen Ärzte um die Zahl ihrer Abrechnungsfälle kämpfen. Am schärfsten ist der Wettbewerb in Hamburg. Dort müssen sich 528 Ärzte um je 100.000 Einwohner streiten, im Bundesdurchschnitt konkurrieren nur 361 Ärzte um die selbe Anzahl potentieller Patienten.
Das Bonus-System Marke Schmidt Wer jedoch glaubt, in Hamburg seien die Menschen weniger gesund als beispielsweise in Niedersachsen (311 Ärzte je 100.000 Einwohner), der hat die Medizinbranche ebenso wenig verstanden wie die Bundes-Gesundheitsministerin.
Denn das Bonus-System Marke Schmidt "Rabatt kriegt, wer regelmäßig zur Vorsorge geht" wirkt in diesem Kartell wie die Aufforderung an die Ärzte, sich weiter auf Kosten der Versicherten aus dem Beitragstopf zu bedienen. Wer lange genug vorsorge-untersucht, wird doch wohl so viel behandlungs- oder zumindest beobachtungswürdiges finden, damit der Wirtschaftskreislauf der Praxis weiter florieren kann – auch ohne Karteileichen.
Sind Sie wirklich so naiv, Frau Ministerin, oder wollen Sie bloß die rebellierenden Ärzte-Funktionäre ruhigstellen, in dem Sie ihnen ein paar Pfründe zuschustern.
Zusätzlich zu den Ärzten leistet sich die Gesundheitsbranche noch Kassenärztliche Vereinigungen (KV). Was dort so abgeht, hat gerade der Vorsitzende des Hausärzte-Verbandes in Hamburg aufgedeckt: Der KV-Vorsitzende habe sich sein Gehalt mal eben um 100.000 Euro im Jahr erhöht. Von 8.000 Mark auf 9.500 Euro. Antwort des Ertappten: Die Erhöhung sei mit der Gesundheitsbehörde abgestimmt, von der Mitgliederversammlung beschlossen und beruhe im Übrigen auf Entscheidungen des Bundessozialgerichtes. Ein Selbstbedienungsladen unter dem Deckmantel des Hypokrates. Was unternehmen Sie gegen die Ausplünderung Ihrer Wähler, Frau Ministerin?
Solidaritäts-Nutznießer: faul, fett und gefräßig 40 % der Arzneien sind "wenig geeignet" Zur Branche gehören auch Pharma-Industrie und Apotheker. Auch sie wollen vor allem eines: produzieren und profitieren. Allein auf sich gestellt wären sie arm dran. Sie haben ihre Interessen deshalb mit denen der Ärzte koordiniert. Je mehr die einen verschreiben, desto üppiger sprudeln bei den anderen die Gewinne. So wird denn viel mehr verordnet als nötig und zu wenig an den Ursachen von Krankheiten geändert. Oder welcher Arzt verschreibt schon regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung? Risiken und Nebenwirkungen – so zynisch es auch klingt – sorgen für weitere Behandlungs- und Abrechnungsfälle. Wohl dem, der sich mit frei verkäuflichen Mitteln selbst therapiert. Dem bleiben negative Folgen vielleicht erspart, denn 40 % der 1.500 Mittel sind nach neuester Untersuchung der Stiftung Warentest zur beabsichtigten Behandlung "wenig geeignet". Anstatt endlich die Vermeidung von Krankheitskosten durch ein konsequentes Fitness- und Gesundheitsprogramm zu belohnen, tüfteln Ärzte-Funktionäre, Kassen-Vorstände und Politiker aller Coleur an Planspielen mit Zuzahlungen. Vergessen Sie’s Frau Ministerin. Der Moloch Krankheitssystem verschlingt schon viel zu viel Geld.Machen Sie lieber Schluss mit der Reparaturmedizin, kippen Sie das misbrauchte Solidaritätsprinzip, in dem Schmarotzer zu Lasten anderer ihre Gesundheit mit Rauchen, Saufen, Fressen ruinieren und schaffen Sie endlich ein Gesundheitssystem, das diesen Namen verdient. Die Kumpanei der Politik mit den Lobbyisten muss ein Ende haben. Denn:
Das System ist krank, nicht der Bürger
Wer sich – wie sechs Millionen Bundesbürger – durch Training fit und gesund hält, der kann von den Krankenkassen einen sparsamen Umgang mit seinen Beiträgen verlangen. 30 bis 40 % der Einzahlungen werden nach Erkenntnissen des früheren Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Ellis Huber, jedoch für Verwaltungs- und Verhandlungskosten verpulvert. Wozu muss jede Kasse eigene Programme für Bewegung und Ernährung entwickeln? Vorhandene Konzepte zu nutzen wäre viel billiger und besser. Aber wahrscheinlich rechnen die Verwalter unserer aller Krankenkassenbeiträge nicht nach den Regeln von Adam Riese, sondern nach dem Vorbild jenes Versicherungsvorstandes, dessen Kalkulation so klingt: "Wenn Sie einem 55-Jährigen das Rauchen abgewöhnen, kann sich das für die Krankenkasse nicht rechnen. Als Raucher bekäme der Mann mit 60 ‘nen Lungenkrebs. Das wird zwar zwei Jahre lang richtig teuer für die Kasse, aber immer noch billiger, als wenn der Ex-Raucher als Nichtraucher 78 wird." Wenn auch Sie die Nase voll haben, vom Zynismus einer Branche, die vorgibt, dem Wohl der Menschen zu dienen, in Wirklichkeit aber nur ans Abkassieren denkt, dann wehren Sie sich. Wenn Sie es satt haben, sich selbst fit und gesund zu halten, damit die anderen Ihre Beiträge, verqualmen, versaufen und verprassen können, dann hauen Sie mal ordentlich auf den Tisch: beim nächsten Arzt, beim Apotheker an der Ecke, vor allem aber bei Ihrer Krankenkasse und im Unsozialministerium in Berlin. ME
Vor allem aber bleiben sie fit und gesund, das wünscht Ihnen Ihr Shape Up- und fit1-Team powered by shape up >> jetzt abonnieren |