
fit1.de im Interview mit der Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch.| « zurück zum Leitartikel |
Hallo Ulrike, kannst Du Dich einmal kurz unseren Lesern vorstellen? Anzeige Ich heiße Ulrike Maisch, wohne in Rostock und bin 29 Jahre alt. Ich bin ambitionierte Marathonläuferin und studiere. Jedoch habe ich zur Zeit ein Urlaubs-Semester und ab Oktober beginne ich mit der Grundausbildung bei der Sportförderungsgruppe der Bundeswehr. Dadurch wird auch vorerst mein Studium unterbrochen. Das war’s eigentlich fürs erste von mir :-).
Wann hast Du mit dem Laufen begonnen? Bevor ich Marathon gelaufen bin, habe ich Mehrkampf gemacht und dort bin ich ja schließlich auch gelaufen, nur halt nicht solch eine Distanz. Höchstens 2-3 km! Aber so richtig zu laufen habe ich mit 15 oder 16 Jahren angefangen.
Wie sieht für Dich ein Alltag aus? Alles genau nach Plan oder hast Du auch mal Tage an denen Du alles auf Dich zukommen läßt! Also, sofern ich Trainingswochen habe ist der Tag schon sehr nach dem Training geplant. Ich fange meist morgens um 6 Uhr an zu trainieren und dann noch mal nachmittags um 16 Uhr. Die Zeit dazwischen kann ich dann natürlich nicht wirklich für andere Dinge nutzen. Aber in Wochen, in denen ich Trainingspause habe (so wie zur Zeit), da lasse ich den Tag doch liebend gerne auf mich zukommen. Da wird das Training dann durchgeführt wenn ich Lust dazu habe und treffe mich dann viel mit meinen Freunden.
Wie bereitest Du Dich auf einen Wettkampf vor? Wie hältst Du Dich fit? Es kommt natürlich sehr auf den jeweiligen Wettkampf an. Wenn ich z.B. in Rostock an Landesmeisterschaften teilnehme, dann ist das nicht "sooo" wichtig wie eine Europameisterschaft. Das ist dann eher Training für mich. Vor der Europameisterschaft war ich im Trainingslager und da versuchst Du dann, eine gewisse Routine mit den gleichen Trainingseinheiten z.B. an Cardiogeräten reinzubekommen, damit Du genau weißt, wo Deine Stärken und wo Deine Schwächen sind. Das ist wichtig für den Marathon, damit Du weißt, wann Du angreifen kannst und wann nicht.
Des Weiteren mach ich eigentlich viele verschiedene Sportarten beim Training. Egal ob Schwimmen oder Radfahren, es ist alles mal dabei. Ich mach das, wozu ich grad Lust habe. Natürlich spielen wir zwischendurch auch mal Fußball oder Badminton.
Wie sieht Deine Ernährung vor Wettkämpfen aus und wie sieht’s mit Deiner Ernährung während einer Trainingspause aus? Nunja, ich versuche mich gesund zu ernähren (schmunzel). Aber natürlich funktioniert das nicht immer. Wobei ich es auch merke, wenn ich schlecht gegessen habe, daß sich dies im Training widerspiegelt. Vor der Europameisterschaft habe ich aber ganz speziell darauf geachtet und so gut wie gar keine Süßigkeiten gegessen. Zur Zeit hab ich mich aber mal wieder etwas gehen lassen, muß ich zugeben. Aber dies hat jetzt bald wieder ein Ende, da ich auf jeden Fall dieses Jahr noch einen Marathon laufen will. Und da heißt es dann wieder, die Ernährung umzustellen.
Welchen Marathon möchtest Du denn noch laufen? Das weiß ich leider noch nicht genau. Es stehen Köln oder Frankfurt zur Auswahl! Also im Oktober irgendwann.
Wann muß Du anfangen, Dich für solch einen Marathon vorzubereiten? Ich trainiere ja an für sich das komplette Jahr durch, aber die richtige Vorbereitung geht dann so drei Monate vor dem Wettkampf los.
Kommen wir zur letzten Europameisterschaft, bei der Du ja grandios Gold geholt hast. Wie war Dein Gefühl während und nach dem Rennen? Das war ein richtiges GEILES Gefühl (lach). Normalerweise ist es so beim Marathon, daß Du am Schluß sehr abbaust und Deine Beine schwer werden. Jedoch ging’s mir bei dem Europameisterschafts-Marathon gut und ich fühlte, daß da noch mehr geht und als ich die ersten paar meiner Gegnerinnen überholt hatte und auf einem Medaillen-Platz war, dachte ich nur: Bohr, vielleicht geht da noch mehr....
Im Ziel war es dann einfach nur ein irres Gefühl. Ich glaub man sieht auch in den TV-Bildern, daß ich total begeistert und überwältigt war. Eigentlich war ich total in Trance. Mir wurde sofort die Deutschland-Fahne in die Hand gedrückt und ich wußte gar nicht, was ich machen sollte. Einfach genial!
Wie siehst Du denn die allgemeine Zukunft des deutschen Leistungssports? Vor allem durch die derzeitigen Doping-Fälle international? Das ist schwer zu sagen. Sorry! Man steckt in der Sache ja nicht drin.
Was war bis her Dein schönstes Erlebnis? Die EM (lach)!
Hast Du Vorbilder? Nö, hatte ich auch nicht! Ich bin ich.
Wie siehst Du Deine Zukunft? Ich werde auf jeden Fall weitermachen mit dem Laufen, da es ja zur Zeit richtig gut läuft und sehr viel Spaß macht. Eigentlich würde ich persönlich einfach nur ein paar Minuten schneller laufen wollen.
So, das war’s dann auch schon mit der kleinen Fragerunde und ich würde Dich zu aller Letzt noch um ein kleines Lebensmotto für unsere Leser bitten. Ich werde oft nach einem Motto gefragt, aber ich habe leider nicht so wirklich eines. Lediglich den Spruch von Charlie Chaplin: Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag! Den find ich sehr gut, denn Lachen macht das Leben einfacher ;-)
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