
In den Medien wird das Thema Sport und Immunsystem oftmals etwas einseitig beleuchtet: Hier werden im Regelfall nur die positive Auswirkungen auf das Immunsystem dargestellt. Aber es stimmt nicht ganz...Diese Aussage muss allerdings relativiert werden, da es sich hierbei eher um langfristige Anpassungsprozesse handelt. Ein Training mit hohen Intensitäten und hohen Trainings-umfängen führt kurzfristig gesehen sogar zu einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems! Deshalb ist gerade bei Leistungssportlern im Winter die Infektgefahr erhöht. Sportmedizinische Untersuchungen konnten weiterhin nachweisen, dass Infektionen bei nicht ausreichender körperlicher Schonung und Genesung zu Gesundheitsschäden (z. B. Herzmuskelentzündung) führen können. In den letzten Jahren wurden immer wieder plötzliche Todesfälle bei Hochleistungssportlern durch solche Folgeschäden nicht auskurierter Infekte registriert.
Anzeige Der Aufbau unseres Immunsystems Unser Immunsystem stellt ein ausgefeiltes Selbstverteidigungssystem mit mehreren Instanzen dar. Auf unseren Körper wirken täglich Millionen von Bakterien, Viren und Parasiten ein. Einige dieser Mikroorganismen schaden uns nicht, sondern sind im Gegenteil sogar nützlich, da wir sie für bestimmte Vorgänge im Körper brauchen. Die Mehrzahl derer Organismen, die uns tatsächlich schaden können, wird von unserem Immunsystem eliminiert oder neutralisiert.
Die erste Schutzbarriere des menschlichen Körpers sind seine Grenzflächen zur Außenwelt. Unsere Haut stellt ein relativ gut gesichertes Organ und eine effektive Barriere nach Außen hin dar.
Einen neuralgischen Punkt bilden allerdings unsere Atemwege. Diese Atemwege sind zum Schutz mit speziellen Schleimhäuten überzogen. So wehren die Schleimhäute der Atemwege permanent Erreger die eingeatmet wurden ab (ähnliche Schleimhäute finden wir auch im Magen-Darm-Trakt; dort werden Erreger, die wir über die Nahrung aufgenommen haben abgewehrt).
Kann diese erste unspezifische Schutzbarriere der Schleimhäute (oder die Haut an sich) die einwirkenden Mikroorganismen nicht abwehren, wird die nächste Abwehrinstanz aktiv. Krankheitserreger die bereits ins Blut eingedrungen sind, werden von den weißen Blutkörperchen (den so genannten Leukozyten) aufgenommen und zerstört oder von Fresszellen (Makrophagen) über die Lymphbahnen zum nächsten Lymphknoten befördert. Die im Lymphsystem vorhande-nen Lymphozyten sind für die spezifische Immunreaktion des menschlichen Organismus verantwortlich. Diese Lymphozyten greifen von Viren befallene Körperzellen an, zerstören diese Zellen und sind weiterhin für die Antigenproduktion zuständig. Diese Antigene gewährleisten, dass wir an einer Viruserkrankung (z. B. Windpocken oder Ma-sern) in der Regel kein zweites Mal erkranken. Sie stellen quasi eine Art "immunologisches Gedächtnis" dar.
Ein langfristiger Schutz vor grippalen Infekten ist über die Produktion von Antigenen jedoch nicht möglich, da Grippenviren von Jahr zu Jahr ihre Antigenmuster verändern. Daher können diese Erkrankungen beliebig oft wieder auftreten.
Das Hormon- und das Nervensystem unterstützen und regulieren die Arbeit des Immunsystems. Stresshormone wie z. B. Adrenalin dämpfen die Wirkung des Immunsystems; Wachstumshormone und auch Insulin fördern hingegen die Leistungsbereitschaft des Immunsystems. Auch das psychische Wohlbefinden hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Immunsystem. Längere psychische Stressbelastungen erhöhen somit die Anfälligkeit für Infekte. Hochintensive Trainingsbelastungen oder Training bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit stellen solche Stresssituation dar.
Infekten Vorbeugen Die wichtigste Prophylaxe von grippalen Infekten ist die Verhinderung der Erregerübertragung durch generelle, allgemeine gesundheitsstabilisierende Verhaltensregeln. Einfache Verhaltensregeln wären zum Beispiel das Tragen der Jahreszeit angepasster Kleidung oder das Vermeiden von Kontakten mit bereits infizierten Personen. Gerade im Winter sind große Menschenansammlungen immer auch ein Tummelplatz für Erreger.
Daneben spielt eine vitaminreiche Ernährung eine wichtige Rolle. Bei einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung ist eine zusätzliche Substitution mit antioxidativ wirkenden Vitaminen wie Vitamin C oder E jedoch nicht zwingend erforderlich. Auch regelmäßige Saunabesuche können zur Vorbeugung von Infekten einen Beitrag leisten. Durch den forcierten extremen Temperaturwechsel werden verstärkt Abwehrstoffe gebildet.
Behandlung von Infekten Bei lediglich leichten Infekten sind oftmals alt bekannte "Hausmittel" die besten Behandlungsmöglichkeiten. In Ihrer Eigentherapie sollten Sie hier darauf achten, vor allem schleimlösende Mittel zu sich zu nehmen und ausreichend Flüssigkeit zu konsumieren (z. B. Tee). Sobald Ihr Körper mit Fieber reagiert sollten Sie jedoch einen Arzt konsultieren. Bei überdurchschnittlich hoher Infektanfälligkeit, sollten Sie sich eventuell durch einen Arzt prophylaktisch impfen lassen. Immunstimulanzien sind zwar weit verbreitet, ihre nachweisbaren Wirkungen in Fachkreisen jedoch stark umstritten.
Die Therapie eines grippalen Infektes stellt in der Regel nicht das entscheidende Problem dar. Vielmehr ist die mangelnde Einsicht einiger Athleten bezüglich der Gefahren durch Training bei akuten Infekten der Diskussionspunkt. Durch zu früh wieder einsetzendes Training kann der Körper massiv geschädigt werden. Akute oder bleibende organische Erkrankungen, wie z. B. Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen oder sogar der plötzliche Herztod können als Komplikationen auftreten. Wird dem Organismus nicht die erforderliche Regenerationszeit und Genesungszeit gegönnt, nimmt er sich selbst eine "Auszeit", indem er mit Fieber, Schüttelfrost oder schmerzhaft geschwollenen Lymphknoten den unbedachten Sportler zu einer Trainingspause zwingt. Daher lautet der wichtigste Grundsatz: kein Training bei akuten grippalen Infekten!
Training und Immunsystem Sportliches Training oder generell körperliche Belastungen führen zu Auswirkungen auf das Immunsystem, die entweder sofortige oder zeitlich verzögerte Reaktionen auslösen:
Die Grundaussage "Sport ist gut für unser Immunsystem" muss demnach relativiert wer-den. Entscheidend für die Wirkung des Sports auf unser Immunsystem sind die Belastungsintensität und die Belastungsdauer. Hierzu konnten wissenschaftliche Studien belegen, dass extensive Belastungen stimulierend, intensive Belastungen aber eher hemmend auf das Immunsystem einwirken. Vor allem bei einer Übertrainingssymptomatik ist unser Körper extrem anfällig für Ansteckungen. Grundlegende prophylaktische Maßnahme sollte hier immer ein optimales Verhältnis zwischen Belastungs- und Erholungsphasen sein.
Tipps zum Krafttraining Beim Krafttraining sollten Sie darauf achten, nicht permanent im maximalen Leistungsbereich zu trainieren. Die Skelettmuskulatur muss nicht ständig bis zum Versagen trainiert werden, um Anpassungseffekte zu erzielen. Intensive Trainingsphasen sollten mit extensiv Phasen im Sinne einer Periodisierung des Trainings einhergehen.
Tipps zum Ausdauertraining Der Schwerpunkt Ihres Ausdauertrainings sollte generell in einem allgemeinen aeroben Trainingsbereich liegen (Grundlagenausdauer). Vermeiden Sie häufige Belastungsspitzen im anaeroben Bereich der Energiebereitstellung, die mit einer entsprechenden Laktatbil-dung einhergehen. Je nach Leistungsstufe kommen als geeignete Ausdauertrainingsme-thoden die extensive, intensive und variable Dauermethode in Betracht. Auch ein Inter-valltraining ist durchaus möglich, sofern Sie Ihren Körper nicht permanent mit hochintensiven Intervallen an der Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit belasten.
Wenn Sie diese grundlegenden Tipps beachten, sollte auch in der kalten Jahreszeit Ihr Training gesichert sein. Vorbeugen ist immer besser als Heilen; deshalb sollten Sie auch immer prophylaktische Maßnahmen ergreifen. Trotz aller vorbeugenden Maßnahmen kann es Sie aber dennoch einmal erwischen. In diesem Fall sollten Sie Ihrem Körper dann aber auf jeden Fall die benötigte "Auszeit" einräumen. Mit einem grippalen Infekt wäre Ihr Training sowieso nicht effektiv. Bedenken Sie aber die negativen Spätkomplikationen, die ein zu früh einsetzendes Training auslösen kann. ME
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Quelle: www.bsa-akademie.de |