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Schwachpunkt Schulter
Unser beweglichstes Gelenk ist sehr verletzungsanfällig und muss gezielt trainiert werden.

Nachts falsch gelegen und schon kommt man sich wie ein Invalide vor. Waschen, Kämmen, Zähneputzen – jede Bewegung wird zur Qual. Was gestern noch selbstverständlich war, ist heute nur mit großen Schwierigkeiten möglich. Was ist passiert? Was ist zu tun?
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Anatomisch gesehen ist die Schulter ein hauptsächlich muskelgeführtes Gelenk (Gegensatz: Hüftgelenk). Vorteil: Die Muskelführung erlaubt große Bewegungsfreiheit, die Schulter gilt als das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Nachteil: Ihre Stabilität ist z.B. im Vergleich zum Hüftgelenk gering, ihre Verletzungsanfälligkeit damit deutlich größer.
Besonders häufig sind Reizungen und Verletzungen im Bereich der so genannten Rotatorenmanschette. Sie ist für das Heben des Armes und Drehbewegungen wichtig und stabilisiert die Schulter. Sie bildet das Dach des Schultergelenkes und setzt sich aus vier Muskeln und deren Sehnen zusammen. "Nur eine gut trainier­te und auf einander abgestimmte Mus kulatur ermöglicht die differenzierten Funktionen der Schulter", erklärt Dr. Oliver Dierk, Orthopäde am Krankenhaus Eilbek in Hamburg.
Bei den Sportunfällen ist die SchulterArmRegion mit 21,7% am zweithäufigsten betroffen. Isolierte Schulterverletzungen machen etwa 7% Prozent aus, das sind etwa 150 000 Verletzungen jährlich. "Gerade Überkopfsportarten wie Handball und Tennis sind prädestiniert für Schulterverletzungen", sagt Dr. Dierk, der sich als Mannschaftsarzt um die Profifußballer und Handballer des HSV kümmert.
Die Rotatorenmuskelgruppe ist auch beim Werfen, Schwimmen und Golfen durch gleichförmige Bewegungsmuster und hohe Trainingsintensität starken Belastungen ausgesetzt. Und: Probleme im Schulterbereich können ebenso durch berufliche Überanstrengungen entstehen. "Wer seinen Arm sehr oft 90 Grad über den Kopf heben muss wie beispielsweise ein Maler, der häufig Decken streicht, kann ebenfalls Überlastungsreaktionen in der Schulter provozieren", erläutert Dr. Dierk weiter.
Kein Wunder, dass sich in der täglichen Praxis die Fälle der Schulterreizungen häufen. "Viele meiner Patienten kommen mit Reizsymptomen, beispielsweise in der Supraspinatussehne oder mit einer Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk", erzählt auch Sportmediziner Dr. Matthias Hamann. "Oft sind leider auch schlechte Technik und zu viel Gewicht beim Krafttraining die Ursache solcher Probleme", so Hamann. Er empfiehlt daher erst einmal Übungen zur Kräftigung – allerdings nach Anleitung durch einen geschulten Physiotherapeuten.
Grundsätzlich rät Dr. Hamann aber schon zum Schulter-Workout: "Butterfly und Latzug sind sehr gute Geräte zur Schulterkräftigung", weiß der Mediziner. Auch Schulter-Experte Dr. Dierk empfiehlt gezieltes Krafttraining für die Schulter: "Oft besteht ein Ungleichwicht zwischen den einzelnen Muskeln. Trainingsziel muss daher sein, dieses Ungleichgewicht aufzulösen und nicht den Aufbau von reiner Muskelmasse zu betreiben. Nur so lassen sich viele Schulterprobleme beheben oder zumindest verringern."
Übung für die Schulter
Liegestütz an der Wand zu Schulterkräfti­gung
Ausgangsstellung: Im Abstand der gestreckten Ar­me an der Wand stehen, Arme in Schul­ter­­höhe, Füße 1 bis 1,5 Fußlängen zurück.
Übung: 10 Liege­­­­stütze.
Schulterdehnung
Ausgangsstellung und Übung: Hand hinter dem Kopf zur gegenseitigen Schulter führen, Ellbogen mög­lichst weit hinten halten, freie Hand zieht Ell­bogen zur gegenseitigen Schulter, 20 bis 30 Sekun­den dehnen. Viermal pro Schulterseite.
Sinnvoll schonen, wirkungsvoll vorbeugen
1. Du sollst dich bewegen
Durch Bewegungsarmut der Schulter werden Muskeln, Sehnen und Knorpel geschädigt. Bei Schmerzen ist allerdings die Bewegung zu dosieren, dann keinesfalls ausfahrende Bewegung über die Schmerzgrenze hinaus versuchen.
2. Trage Lasten nah am Körper
Heben und Tragen am besten körpernah, weil Muskelkraft so besser einzusetzen ist. Grundsätzlich Gewichte auf beide Arme verteilen, also: Statt einer schweren Tasche lieber zwei Taschen benutzen.
3. Rücken möglichst gerade halten
Ein gerader Rücken beugt einer Fehlhaltung der Schultern und einer Überlastung der Schultermuskulatur vor.
4. Vermeide Druck auf die Schulter
Eine gereizte Schulter reagiert auf seitlichen Druck (wie z.B. beim Schlafen auf einer Seite) empfindlich.
Tipp
Rückenlage und ein Kissen in die Achsel der betroffenen Schulter legen, dadurch wird die Gefahr sich im Schlaf auf die Schulter zu rollen, verringert.
5. Trainiere täglich deine Schultermuskeln
Eine stabile muskuläre Führung des Schultergelenks unterstützt und schützt den Kapselbandapparat.
6. Vermeide Überkopfarbeiten
Überkopfarbeiten beanspruchen bereits die gesunde Schulter erheblich.
Bei Muskeldysbalancen kommt es zu einem Einklemmungsphänomen (Impingement-Syndrom) unter dem Schulterdach.
Schon nach kurzer Überkopfarbeit können dann ausgeprägte Reizungen und Schmerzen auftreten, die oft Tage oder sogar Wochen anhalten können. UW
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     [03.07.2005]
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