
Wer wenig Zeit und viel für seine Fitness übrig hat, lässt sich erstmal vom Personaltrainer richtig auf Trab bringen.Jahrelang hat Ursula G. es allein probiert. Immer wieder hat die 34-Jährige Anlauf genommen, sich mehr zu bewegen. Mal war’s das Joggen, mal ein Yoga-Kurs. Zuallerletzt hat sie einen Mitgliedsantrag in einem Fitness-Studio unterschrieben, gleich um die Ecke. Eigentlich ideale Bedingungen, doch Ursula G. kennt sich und weiß, dass ihr innerer Schweinehund letztlich immer die Oberhand behält, egal was sie probiert – nach kurzer Zeit landet sie doch wieder mit der Tüte Chips auf dem Sofa. Der teuer angeschaffte Stepper verstaubt im Schlafzimmer, die Joggingschuhe verstauben – so gut wie unbenutzt – in der Abstellkammer, und den Yogakurs hat sie nach den sechs Abenden nicht weiter fortgesetzt. "Nervig ist das," meint die Unternehmensberaterin, "aber irgendwie kriege ich keine Konstanz in mein Bewegungsprogramm."
Anzeige Da steht Ursula bei weitem nicht alleine. Lediglich 13% der Deutschen können sich aufraffen, ein Mindestmaß an Bewegung aufzubringen: Spazierengehen, Gartenarbeit, mal die Treppe und nicht den Fahrstuhl benutzen. Und nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung hat Sport im täglichen Bewusstsein verankert.
Weil sich Ursula G. aber nun mehr selbst ein Schnippchen schlagen will, hat sie sich einen Aufpasser und Trainer an die Seite gestellt – einen Sport-Bodyguard so zu sagen, oder auf gut (neu)deutsch, einen Personaltrainer. Wenn sie dem kurzfristig absagt, weil sie heute mit dem falschen Bein aufgestanden ist, dann bekommt sie das in ihrem Portemonnaie zu spüren – denn zahlen muss sie trotzdem, ob der Trainer kommt oder nicht.
Der PT – das Mädchen für alles Der ist nun nicht nur ihr Motivator, sondern auch ihr Mädchen für alles in punkto Bewegung und Gesundheit. Er hat die vollschlanke Frau erstmal zum Gesundheitscheck geschickt und ihr danach einen Ernährungsplan aufgestellt sowie ein Trainingsprogramm erarbeitet.
Jetzt, ganz am Anfang ihrer Zusammenarbeit, ist er jedes Mal dabei, wenn sie Sport macht. Egal ob sie walkt (ist besser für die Gelenke), egal ob es dabei schneit, regnet oder die Sonne lacht. Egal ob es spät in der Nacht ist, wenn man sich ohnehin nicht mehr durch einsame Straßen trauen würde. Er ist auch dabei, wenn sie im Studio Gewichte auflegt. Denn Fitness-Studios und Personaltrainer – das schließt sich nur selten aus, sondern ergänzt sich meistens zum Vorteil aller. So können sich Studiomitglieder mit wenig Willenskraft und viel sportlichem Nachholbedarf im One-to-One-Training eine Zeit lang auf Trab bringen lassen, bis sie sich auch bei der Ausführung der Übungen sicher fühlen und ihnen das zwei- bis dreimal wöchentliche Fitnessprogramm sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Kein Privileg für Promis Wie vieles kommt auch der Job des Personaltrainers aus Amerika. Dort sind Bodybutler mittlerweile gang und gäbe. Aber spätestens seit Bridget Jones alias Rene Zellweger medienwirksam 20 Kilo auf- und kurz danach wieder abspecken kann mit Hilfe eines persönlichen Coaches, seit es Julia Roberts tut oder Madonna oder Sting ist es auch hier zu Lande durchaus schicker geworden, sich einen Personaltrainer zu zulegen oder mal einen Gutschein fürs Personaltraining für einen guten Freund zu verschenken.
Wer bucht so eine One-to-one-Betreuung? In der Regel Unternehmer, Manager, deren Terminplan wenig Zeit für Sport lässt und die dann besonders effektiv trainieren wollen. Aber auch Menschen, die sich schwer allein motivieren können. Oft auch ehemalige Reha-Patienten, die besonderen Wert auf gute Technik legen oder auch jene, die ein ganz konkretes Ziel vor Augen haben: einen Marathon zum Beispiel.
Früher war der Personaltrainer eine reine Männerdomäne. Heute booken ihn oder sie genauso viele Männer wie Frauen. Und auch auf Seiten der Trainer nimmt der Frauenanteil deutlich zu.
Cyrus A. Rahman ist so zu sagen ein Mann der ersten Stunde. Der 36-Jährige ist Gründer der bis dato größten Personaltrainer-Online-Agentur Europas. Vor sieben Jahren ließ er die Website www. fitnesswelt.de ins Netz stellen, auf der heute über 400 Trainer im deutschsprachigen Raum vermittelt werden; zur Zeit täglich 15 Buchungen.
In den letzten vier Jahren ist die Nachfrage ums Doppelte gestiegen. Auch Rena Horack profitierte von der Hilfestellung: "Ich war ein echter Sportmuffel," sagt die diplomierte Betriebswirtin. Erst die Intensivbetreuung mit Cyrus habe ihr vor drei Jahren den entscheidenden Kick gegeben. Heute staunt sie mitunter über sich selbst, "mit welcher Begeisterung ich mein Fitnessprogramm durchziehe und welche Fortschritte ich an mir beobachten kann." Auf einmal habe sie Freude an ihrem Körper.
Ein Euro pro Minute Es ist nicht gerade günstig, sich via Bodybutler auf Trab zu bringen. Jede Minute des maßgeschneiderten Trainings kostet in etwa einen Euro. Wer überlegt, ob er sich diesen Luxus leisten kann, will oder soll, der bedenke, wofür er sonst bisweilen (unnötiges) Geld erübrigen kann. Oder wie es Jack LaLanne, einer der Fitness-Gurus und Personaltrainer der allerersten Stunde, sagt: "Wie viel investieren Sie jedes Jahr in Ihren Wagen? 5.000 Dollar? Verdoppeln Sie diese Summe, und heuern Sie einen Personal Trainer an. Soviel sollte Ihnen Ihr Körper wert sein." Auto oder Body, ist das die Frage? Nun ja, es gibt noch mehr, was für den persönlichen Coach auf Zeit spricht: Laut Studien erreichen nur 7% der Mitglieder eines Fitnessstudios ihr persönliches Ziel. Beim Personaltraining hingegen sind es 95%.
Warum das so ist? Cyrus A. Rahman aus Hamburg führt das zum einen darauf zurück, dass ein Studio-Trainer gar nicht die Zeit hat, sich so ausführlich um die Bedürfnisse jedes einzelnen zu kümmern. Er erarbeitet in einer Probestunde ein Programm und danach sei man sechs bis acht Wochen ganz auf sich allein gestellt. Fitnesstrainer, als Outfit von der Stange, Personaltrainer der exklusive Maßanzug? Promis sehen das so: "Nur ein Personaltrainer bietet den perfekten Rundum-Service" (Madonna) oder "nur ein persönlicher Fitness-Coach bringt meinen Körper in kurzer Zeit in Form" (Super-Modell und Neu-Mama Heidi Klum).
Beim Personaltrainer geht es nicht nur um den Transfer von Know-How. Er bietet individuelle Lösungen an und überwacht auch, dass Übungen korrekt ausgeführt werden. Allein 40% meiner Kunden, sagt Cyrus A. Rahman, "machen Sport, weil sie den Termin mit mir haben." Die Philosophie des 36-Jährigen, der höchst selbst bei Jennifer Wade in die Schule gegangen ist, die Amerikanerin, die Personaltraining Anfang der 90er Jahre auch hier zu Lande bekannt gemacht hat: "Kein Körper ist wie der andere, es gibt keine Pauschalaussagen. Was dem einen gut tut, muss für den anderen noch lange nicht optimal sein." Das sei im Übrigen der Kerngedanke des Personal Trainings.
Hoher Qualitätsstandard Pflicht Was muss so ein persönlicher Sportdiener an Qualifikation mitbringen? Cyrus A. Rahman steht als zweiter Vorsitzender auch dem 1999 gegründeten Bundesverband Deutscher Personaltrainer e.V. vor, einer Berufslobby so zusagen, der insbesondere an der Erarbeitung von Qualitätsstandards in der Ausbildung gelegen ist. Rahman fordert neben psychosozialen Fähigkeiten wie einem besonderen Engagement und Interesse am Menschen, Menschenkenntnis und dem Willen zur Vollbringung einer Dienstleistung vor allem eine fundierte Ausbildung in Anatomie und Trainingslehre, Ernährung, Entspannung und Bewegung.
Noch gibt es keine gesetzliche geschützte Berufsbezeichnung. Der BDPT hat jedoch bereits an vier externe Trainer-Ausbildungsorganisationen Qualitäts-Prüfsiegel vergeben: SAFS & Beta, Meridian Academy, IFAA und die Deutsche Trainer Akademie. Außerdem wird er im Laufe dieses Jahres eine geprüfte TÜV-Zertifizierung anbieten, um das Berufsbild zu vereinheitlichen und die schwarzen Schafe unter den Trainern auszusondern. MM
Kontakt: www.bdpt.org |