
Frech wie Oscar, fit wie’n Turnschuh – so wünscht sich der italienische Gerätehersteller Panatta die nächsten Kids-Generationen. Die Situation um unsere Kinder ist nicht gerade gut bestellt. Selbst Politiker wie Ministerin Renate Künast beklagen, dass die deutsche Jugend immer dicker, fetter und unbeweglicher würde. Die Unkenrufe allenthalben werden immer lauter. Kinder könnten bei der Einschulung noch nicht mal mehr rückwärts laufen ohne hinzufallen geschweige denn auf einem Bein hüpfen.
Anzeige Deutsche Kinder würden immer stärker schon sehr früh an so genannten Zivilisationskrankheiten wie Alters-Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Mediziner beklagen zudem, dass Übergewicht, Aufmerksamkeitsstörungen, Herz- Kreislauferkrankungen und Essstörungen bei Kindern stark zunähmen.
Der Deutsche Sportbund (DSB) hält der Politik vor: In der Schule falle jede vierte Stunde Sport aus, die Lehrerschaft sei überaltert und die Unterrichtsinhalte nicht mehr zeitgemäß.
Playstation statt Spielplatz Nach einer Studie des DSB, der Gesundheitskasse AOK und des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD), die mehr als 20.000 Schüler einem Fitnesstest unterzogen hatten, ist die körperliche Fitness der 6- bis 18-Jährigen Besorgnis erregend: Besonders drastisch seien der Rückgang von Koordination und Ausdauer. Experten gehen davon aus, dass die motorischen Fähigkeiten deutscher Kinder in den letzten 25 Jahren um mindestens 10% abgenommen haben. Fatal im 21. Jahrhundert: Statt herum zu toben, sitzen schon die Kleinsten vor dem Computer. Zu oft ersetzt passiver Medienkonsum aktives Spielen und Erkunden der Wirklichkeit. Studien zufolge leiden bereits rund 40% der Schulkinder unter Haltungsschäden.
Sie haben Probleme bei gestreckten Beinen mit den Händen den Boden zu berühren. Dabei hätte jedes Kind eine natürliche Freude an Bewegung, wenn man es nur ließe – im Garten, auf dem Spielplatz, im Wald oder beim Sport.
![]() Um im "Bällebad Oberwasser" zu behalten muss man sich ganz schön anstrengen. Angesichts der bedrohlichen Folgen, die eine früh vergreiste Jugend für die gesellschaftliche Entwicklung hätte, kommen die Stichworte "Kind" und "Fitness" immer häufiger im Gerangel um die Gesundheitsreform vor.
Wo Elternhaus und Kindergarten, Schule und Verein offensichtlich versagen sind selbst kommerzielle Fitness-Studios immer stärker gefragt. Es geht neben der Eroberung neuer Märkte vor allem darum, den Kindern wieder Beine zu machen.
Professor Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften, der Universität Karlsruhe (TH), dessen Team für das Bundsministerium für Gesundheit gerade in einer über mehrere Jahre angelegten bundesweiten Studie den motorischen Ist-Zustand der Kids untersucht, sagt es klipp und klar: "Die adäquate motorische Entwicklung im Kindesalter und die Herausbildung der alltagsrelevanten körperlichen Fähigkeiten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe aller Erziehungsinstitutionen und damit nicht allein auf die Schule und auf den Sportunterricht begrenzt." Auch bei der diesjährigen FIBO stehen erstmals die Kleinen im Mittelpunkt, wenn auch vor allem als Problemgruppe der übergewichtigen Kids XXL.
Bewegung macht schlau Warum sollen sich Kinder überhaupt bewegen? Ganz einfach: Kinder brauchen Bewegung. Nur ein bewegtes Kind entwickelt alle seine Organe und das Gehirn optimal weiter. Muskel-, Skelett- und Nervensysteme wollen angeregt werden, auch die Festigkeit der Knochen und die Belastbarkeit der Bänder bilden sich vor allem durch Belastung heraus. Kraft, Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Ausdauer, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit sind den Kindern nicht in die Fruchtblase gelegt, all diese motorischen Fähigkeiten müssen von klein auf trainiert werden, damit man als Großer darauf zurückgreifen kann.
So paradox es klingt, über den Sport steigert sich auch die Lernfähigkeit. Hüpfen, Klettern, Rutschen, Kriechen, Schaukeln und Rennen der Kinder ist mithin auch ein wichtiger Teil der Entwicklung von Wissen und Urteilsfähigkeit. Nur wenn sich Kinder ausreichend bewegen, werden Nervenzellen im Gehirn miteinander verbunden. Je mehr solche Synapsen entstehen, desto besser lernt ein Kind die Welt buchstäblich begreifen, kurzum: Je mehr es sich bewegt, desto intelligenter wird es sein.
![]() Oscar sieht aus, wie eine Maschine zum Bankdrücken, aber Rekorde mit hohen Gewichten läßt Oscar nicht zu. Es besteht ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Bewegung und der geistigen, psychischemotionalen und sozialen Entwicklung. Erst durch aktives Handeln bauen Kinder ihre Persönlichkeit auf. Die Vorstellung von Raum und Zeit und die Sinne werden in einer anregenden, lebendigen Umwelt angesprochen und erzeugen wichtige Verknüpfungen im Gehirn.
Täglich zwei Stunden Action Die Jahre bis zur Pubertät sind entscheidend, hier werden die Grundsteine für eine gesunde körperliche, psychischemotionale und soziale Entwicklung gelegt. Mindestens zwei bis drei Stunden sollten Kindern täglich in Bewegung sein. Schwitzen ist erlaubt. Die Organe brauchen die Belastung, um leistungsfähig zu werden. Eine gesunde, ausgewogene und vor allem abwechslungsreiche Ernährung füllt die Energietanks dann wieder auf.
Bis zum achten Lebensjahr steht die Vielseitigkeit noch im Vordergrund. Elementare koordinative und motorische Fähigkeiten werden ausgebildet und gefestigt. Ab dem achten Lebensjahr ist es sinnvoll, sportlich konkreter zu werden. Dabei sollten Eltern unbedingt darauf achten, was ihren Kindern am meisten liegt und – vor allem – Spaß macht.
Neue Wege für Bewegung - Kinder in die Fitnessstudios
Es gibt immer mehr Fitness-Studios, die ihre Türen nicht erst für Menschen ab 16 Jahren öffnen oder Kinder nur in der Kinderbetreuung verwahren, sondern eigens einen kleinen Bereich den Zwergen und Heranwachsenden vorbehalten. Dort stehen dann nicht die herkömmliche Beinpresse oder der Lat-Zug, sondern kindgerechte Geräte der Firma Panatta.
Nach der Philosophie des italienischen Unternehmens, mache es keinen Sinn, Kinder auf den Geräten der Großen trainieren zu lassen. Wichtig sei vor allem, dass die Kids spielerisch und mit viel Spaß an die Geräte herangeführt würden. Deshalb sind die Kindergeräte von bonbonartiger Farbe, sehen aus wie Gespenster und haben eigene Namen.
Das so genannte "Kids Project" soll Kinder von fünf bis zwölf ans Fitnessstudio heranführen. Es wurde von Medizinern und Wissenschaftlern entwickelt und besteht aus vier Maschinen, in denen die Jungs und Mädchen gegen einen Widerstand arbeiten müssen, und zwei Ausdauergeräten. Damit ja auch nichts schief läuft, warnt ein Sensor die Kinder, falls sie eine falsche Position einnehmen sollten.
Die Methode, nach der die Kinder trainieren, heißt "Mooooving Kids", sie beinhaltet zum einen das Trainieren in und mit den poppig aussehenden Geräten zum anderen bedienen sich die italienischen Fitness-Entwickler anderer Sportarten wie Gymnastik, Basketball, Volleyball, Karate und Yoga zur Abrundung. Auf mindestens 72 qm findet das Kinderstudio sein Zuhause. Geradezu sprunghaft sei das Interesse nach den italienischen Produkten angestiegen, heißt es aus der Firmenzentrale. Vor allem in Ländern wie Deutschland, Großbritannien und den USA würde man auf den Kinder-Bewegungszug aufspringen.
![]() Yukari, das Bike für 6-10 Jährige, verbessert in erster Linie die motorischen Fähigkeiten. U18 im Studio – Nachhilfe für den Schulsport
Seit Anfang diesen Jahres läuft "U18", eine Aktion des Deutschen Sportstudio Verbandes (DSSV). Von den rund 6.000 Studios haben sich bis Ende März 90 registrieren lassen. Der Hintergrund ist offensichtlich: "Die Kinder von heute," sagt DSSV-Pressesprecher Refit Kamberovic, "sind die Mitglieder von morgen". Und wenn morgen sich keiner mehr bewegen will, sehen auch die Studios alt aus.
Das U18-Konzept ist dreigeteilt. Zum einen soll den über 14-Jährigen ein dosiertes Krafttraining angeboten werden. "Dafür brauchen wir nicht besondere Maschine", sagt Kamberovic, "sondern besonders gut geschultes Personal". Denn an den modernen überall vorhandenen Geräten lasse sich von Widerständen ab 2,5 Kilo aufwärts arbeiten, das sei auch für die im Wachstum begriffenen Jugendlichen völlig unproblematisch.
Für die Jüngeren und vor allem auch für die übergewichtigen Kinder rät Kamberovic eher zu den Möglichkeiten b und c. Nämlich zum Ausdauer fördernden Gruppentraining aus dem Budo-Bereich (allen Kampfsportarten), was vor allem bei Jungs sehr gut ankomme, oder aus dem tänzerischen Bereich, einer kindgerechten Form von Aerobic. Beide Bereiche seien schon für Kinder ab acht Jahren geeignet.
![]() Rauf auf den Wabbelberg gegen den Schwabbelbauch Dicke Kinder – fettes Image Auch die Fitnessmesse FIBO hat dieses Jahr statt feister Bodybuilder übergewichtige Kinder und Jugendliche in den Fokus gerückt und damit der Entwicklung in den Studios Rechnung getragen. In einer Good-will-Aktion sollten bis zum FIBO-Start am 5. Mai insgesamt 150 Studios gefunden werden, die jeweils für ein Jahr kostenlose Trainingsplätze für XXL-Kids anbieten.
Bewegte Kinderparty - Statt McDo zu Kidsplanet
Die Idee zu Indoor-Spielwiesen für Kinder kommt – wie manches, das zunächst verrückt klingt – aus Nordamerika. Leer stehende Hallen (wie spärlich frequentierte Tennisanlagen) werden zu Spielplätzen umgebaut. Marktführer dieser kommerziellen Indoor-Playgrounds ist die Firma Kidsplanet, deren Konzept im Jahr 2002 entstand und das mittlerweile mehr als 150.000 Kindern Spiel, Spaß und Sport in der Pilotanlage in Oberhausen vermittelt hat. Zielgruppe sind die Kinder ab einen Jahr, bis zum zwölften Lebensjahr.
Zentrale Ausstattung ist ein modular aufgebautes Klettergerüst, Spiralrutschen, Ballbecken, Kletterrohre, Bewegungs- und Hindernisparcours, Elektro-Kart-Bahn, Dinosaurierhüpfburg und Wabbelberg. Mittlerweile gibt es bereits etliche Lizenzbetriebe in Marl-Posum, Mönchengladbach, Norden, Herne, Hamburg, Harsefeld, Minden, Dresden und Moers. Weitere sind geplant.
Altersgerechte Sportarten trainiert Ausdauer und Koordination, schont die Gelenke. Laufen, Springen und Werfen erlernen Kinder von klein auf. schult Konzentrationsfähigkeit und Körpergefühl. gut für Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination. trainiert werden vor allem Muskulatur, Koordination, Kraft und Kondition. stärken Teamgeist, Schnelligkeit, Konzentration und Geschicklichkeit. Kinder lernen soziales Verhalten und Verantwortung zu übernehmen. Der gesamte Bewegungsapparat wird trainiert, Haltungsschäden vorgebeugt. verbessert Kondition, Koordination und Gelenkigkeit. trainiert Herz- und Kreislauf freie und kreative Bewegung geübt werden Schnelligkeit und Gelenkigkeit. Auch Selbstvertrauen und Körperhaltung. Diskutiere zu diesem Thema in unserem Forum oder schreib einen Kommentar. LP
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